Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)

SPIRA, György: Die erste Schilderung von Artúr Görgei über seine Tätigkeit

György Spira Die provisorische Regierung31 erklärte sich gleichfalls für diese Ansicht, als aber der Moment der Ausführung kam, lief sie aus Feigheit nach Szegedin32 davon und ließ alle Truppen, welche nicht unter meinem unmittelbaren Com/m/ando standen, wie auch die Division Kmety, welche bei der Raaber Affair/e/33 sich von mir trennen ließ, zu ihrem eigenen Schutz gegen Szegedin marschiren, wä/h/rend ich die zwischen Komom und den Bergstädten disponirten Truppen über Komom an das rechte Donau-Ufer zusammen zog. Dieß war der erste Grund unseres Aufenthaltes bei Komom; der zweite Grund dazu war meine Absicht, von dort aus auf dem rechten Donau-Ufer gegen Süden durch die Österreicher durchzubrechen, welches am 1 lten Juli hätte ausgeführt werden sollen; jedoch mißlang. Während unseres Aufenthaltes in Komom wurden wir am 2ten Juli sowohl von Acs als auch von Ö-Szöny aus heftig /angegriffen. Es schien eine forcierte Rekognoszirung gewesen zu sein, wobei aber die Österreicher sich zu weit in den Kampf einließen und dadurch Anlaß zu einem heftigen Gegenangriff unserer Seite gaben, von dessen traurigen Folgen sie abermals nur die Dazwischenkunft der Division Paniutine schü/t/zte. Nach unserem am 11. Juli versuchten erfolglosen Angriff auf die Linie der Oesterreicher zwang mich Mangel an Geld, an Lebensmitteln und an größeren Munitions-Vorräten, Komom am 13ten zu verlassen. Ich marschierte demnach mit beiläufig 27 000 Mann und 130 Geschützen von Komom längs der Donau nach Weitzen34 in der Absicht, von dort gegen Cegléd vorzurücken und die Vereinigung mit den südlichen Truppen zu bewirken. Die Spionsnachrichten lauteten, daß die Hauptmacht der russischen Armee von Miskolc35 längs der Theissh hinab gegen Szolnok sich ziehe. Meine Vortruppen fanden am 15ten ein Detachement russischer Cavallerie zwischen Weitzen und Veröce, welches sich sogleich über Weitzen zurückzog. Die Tête' unserer Colonne, bestehend aus dem Streifcorps Görgei Armin, bezog das Lager südlich von Weitzen an der Eisenbahn und wurde bald darauf von der Avantgarde-Colonne der russ. Armee sehr heftig angegriffen. Ungarischerseits rückte, wä/h/rend das Streifcorps Görgei Armin Position hielt, das erste Armee-Corps rechts, das 3te links nach und nach in die Schlachtlinie ein und behaupteten die einmahf gefaßte Position. Die Nachrichten, welche ich nach diesenk Tag über die Stellung u/nd/ Stärke des Feindes einzog, ließen mich vermuten, daß ich keine bedeutende Mach vor mir habe und der Durchbruch gegen Cegléd gelingen könnte. Ich mußte jedoch meinen Truppen wenigstens einen Tag Rast gönnen und bestimmte den löten zum Rasttage. Am späten Nachmittag 31 Verstehe hierunter den nach der Dethronisation des Hauses Habsburg vom ungarischen Landtag zum Gouverneur-Präsidenten gewählten Kossuth und die von ihm am 1. Mai ernannte Regierung Szemere, die von Görgei - obwohl auch er später, am 7. Mai, im Rang des Kriegsministers Mitglied der Regierung wurde, deshalb provisorisch genannt wurde, um auch damit seine gegen die Dethronisation gerichtete Einstellung zum Ausdruck zu bringen. 32 Ungarischer Name: Szeged, lateinischer Name: Szegedinum. 33 Am 28. Juni vertrieb Haynau das VII. Armeekorps der Honvédarmee aus Raab, und zwang damit auch das südlicher stehende Division von General György Kmety zum Rückzug. 34 Richtig: Waitzen, ungarischer Name: Väc, slowakischer Name: Vacov. 35 Unter dem slowakischen Namen: Miskovec. 130

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