Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

HILLBRAND, Erich: Das Kriegsarchiv von 1945 bis zur Jahrtausendwende

Erich Hillbrand gründlichen Vorbereitung, dem vorbildlichen Einsatz aller Mitarbeiter sowie der guten Zusammenarbeit mit dem Personal der Transportfirma überstanden die Ar­chivalien die Orts Veränderung ohne gravierende Schäden.” Auch konnten auf Grund einer sorgfältig durchdachten Organisation alle an ihrem Bestimmungsort einlangenden Bestände sofort endgültig aufgestellt und zur Benützung freigegeben werden. Inzwischen aber werden die Materialien neuerlich bewegt, da die Regale auf das früher aus finanziellen Gründen nicht bewilligte Kompaktsystem umgerü­stet werden. Dies bedingt natürlich wieder umfassende Um- und Rückverlagerun­gen. Durch keinerlei Platzprobleme dazu gedrängt, hatte das Kriegsarchiv das Gebäu­de, dessen Bauherrin der Familie des Prinzen Eugen von Savoyen, des Gründers seiner Vorgängerinstitution - des hofkriegsrätlichen Archivs - angehörte, verlassen müssen. Im Bewusstsein des genius loci konnten sich die Archivare nur sehr schweren Herzens von dieser traditionsreichen Stätte trennen. Andererseits aber bescherte die Ortsveränderung den Archivalien eine „Infrastruktur“, die ihnen im alten Heim nicht zu Verfügung gestanden war: Das Schriftgut schonende Kartons ersetzen nun die alten Faszikel, in der Kartensammlung neue Schränke mit voll ausziehbaren Laden die früher großen unhandlichen Schachteln.*" Diesem Moment gegenüber haben nostalgische Gefühle zurückzutreten.*1 Trotzdem blieb der feierli­che Abschied vom alten historischen Gebäude, zu dem der seit 1992 amtierende Direktor, Rainer Egger, aktive und ehemalige Angehörige des Archivs geladen hatte, nicht frei von wehmütigen Gedanken. Schließlich trennte sich damit das Archiv, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1711 zurückreichen, von seiner bisherigen Verbindung zu militärisch bedeutsamen Gebäuden. Es wurde nun gewissermaßen endgültig „zivilisiert“. Einen Rest von Kontinuität allerdings schufen Bilder und Büsten etc. aus dem alten Heim, die einen Hauch der traditionsreichen Vergangen­heit mit in das neue Ambiente brachten und die dortige sterile Atmosphäre etwas milderten. Auch innerorganisatorisch trat ein Wandel ein. 1994 bildete man eine eigene Gruppe „Nachlässe und Sammlungen“. Diese ist zwar direkt der Generaldirektion unterstellt, verblieb aber organisatorisch und personell im Verband des Kriegsar­chivs, allerdings mit einer gewissen Selbstständigkeit ausgestattet.*2 Zwei Jahre * 81 ” H i 11 b ra n d : Vom alten ins neue Heim, S. 324 - 330; Egger: Archivübersiedlungen, S. 285 - 293. *° In den Jahrzehnten davor hatte man nur für 16 Wertheimschränke Geld flüssig machen können. 81 Allerdings bedrohen nun andere Faktoren den Erhaltungszustand der Archivalien: Die festgesetz­ten zulässigen Höchsttemperaturen oft Wochen hindurch übersteigenden Werte, die beispielsweise bei den hochempfindlichen fotografischen Platten bereits zu größten Schädigungen bis hin zu to­taler Vernichtung führten. *2 KA, Reg. ZI. 328/12-KA/93. Dank der intensiven Bemühungen Peter Brouceks hatte sich die früher gemeinsam mit den Feldakten betreute bescheidene Sammlung von Nachlässen zu einem 56

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