Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

HILLBRAND, Erich: Das Kriegsarchiv von 1945 bis zur Jahrtausendwende

Das Kriegsarchiv von 1945 bis zur Jahrtausendwende später fächerte dann eine neue Geschäftseinteilung die traditionellen Referate (Zentralstellen, Feldakten, Personalunterlagen, Karten- und Bildersammlung) in zwölf Gruppen auf: Gruppe 1: Personalevidenzen Gruppe 2: Leibgarden und Militärschulen Gruppe 3: Militärmatriken und Kriegsverluste Gruppe 4: Militärgerichtsarchiv Gruppe 5: Alte Feldakten Gruppe 6: Neue Feldakten Gruppe 7: Zentralstellen Gruppe 8: Mittelbehörden und Territorialkommanden Gruppe 9: Kriegsmarine Gruppe 10: Luftfahrtarchiv Gruppe 11: Karten- und Plansammlung Gruppe 12: Bildersammlung Daneben hatten sich durch den stufenweisen Einsatz neuer Technologien etc. ar­beitstechnische Änderungen vollzogen und so präsentiert sich das Archiv am Ende seines zweiten Jahrhunderts auch im Internet.* 83 Dank der von tagespolitischen Pro­blemen entlasteten Atomsphäre vermag sich das Archiv in verstärktem Ausmaß den eigentlichen Archivagenden widmen. Im Sinne wachsender Öffentlichkeitsar­beit nimmt der zeitliche Aufwand für die Beschickung von Ausstellungen sowie Beteiligung an der Bearbeitung der Kataloge ein immer größeres Ausmaß an. Und nicht nur zahlenmäßig war in der zweiten Jahrhunderthälfte ein Wandel eingetreten sondern auch hinsichtlich des Benützerkreises wie der behandelten Thematik. In zunehmenden Maß beschäftigten die Forscher nicht mehr nur rein militärische Fragestellungen. Die komplexen und breit gefächerten Interessen und Aktivitäten des Militärs ließen deren schriftlichen und bildlichen Niederschlag als Quelle für nahezu sämtliche Bereiche menschlichen Leben erkennen und im Sinne einer mo­dernen Geschichtsschreibung, in der politisch-militärische Aspekte immer mehr zu Gunsten anderer Faktoren in den Hintergrund treten, zu nützen: für Stadtentwick­lung, Kunst-, Verkehr-, Technik-, Wirtschafts- sowie Sozial-, ja sogar für Wissen­schaftsgeschichte, daneben aber auch für durchaus praktische Belange der jüngsten Vergangenheit. So konnten beispielsweise Pläne der Kartensammlung nicht nur bei den Vorbereitungsarbeiten für die Wiener U-Bahn, sondern auch bei Restaurierun­gen verschiedener Bauten, z. B. bei jener des Neugebäudes in Wien, nutzbringend und Kosten sparend Verwendung finden. Daneben lernte die sich in den letzten Jahren ausbreitende Familienforschung den Informationsgehalt personenbezogener beachtlichen Bestand entwickelt, dem man die einschlägigen Materialien der übrigen Archive verwaltungsmäßig angliedcrte. 83 Als Pionier der Moderne machte sich Christoph Tepperberg verdient. 57

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