Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

HILLBRAND, Erich: Das Kriegsarchiv von 1945 bis zur Jahrtausendwende

Das Kriegsarchiv von 1945 bis zur Jahrtausendwende Im Jahr vor dem Spatenstich erfolgte ein Faktum, das weit tief greifendere Wir­kungen nach sich ziehen sollte als die nahende Übersiedlung, die lediglich die äußeren, räumlichen Bedingungen veränderte, nicht aber in Wesen und Struktur des Archivs eingriff: Mit der Konstituierung des Archivs der Republik im Jahre 1984 verlor das Kriegsarchiv nicht nur den im Laufe seiner Geschichte erworbenen Charakter eines militärischen Zentralarchivs, sondern wurde damit auch zu einem historischen Archiv, das nicht mehr durch Neuzugänge mit den zuständigen Behör­den und staatlichen Organen verbunden ist. Dabei ging es vorerst nur um die rein theoretische Zuteilung des nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie erwachse­nen Schriftgutes an diese neue Institution,75 die faktische Aufteilung folgte 1987, als das junge Teilarchiv als erste Abteilung des Staatsarchivs mit dem Umzug in den Neubau begann76. Als Einheit ließ man im Kriegsarchiv lediglich die Karten- und Bildersammlung bestehen, sowie die Nachlässe, die auch weiterhin beachtliche Zuwächse erfahren können. In diese Zeit totaler Arbeitsüberlastung fiel auch die so genannte Affäre Wald­heim, in die das Kriegsarchiv, das zu dieser Zeit noch die Bestände der Deutschen Wehrmacht verwahrte, unfreiwillig involviert wurde. Dieses mehr als unerfreuliche Thema und die Rolle, die man dabei unverdientermaßen dem Archiv und vor allem dessen Direktor anlastete, wurde damals in diversen Zeitungen und Zeitschriften breitgetreten. Ab Juni 199177 78 * setzte, nur drei Wochen nach Schließung des Forschersaales, vor­erst unter einigen Anlaufschwierigkeiten, dann aber klaglos, die im Juni 1993 be­endete Übersiedlung™ der Bestände ein. Dabei wurde eine beachtliche Menge von Archivalien bewegt: 180.000 Kartons (in die man die vorher größtenteils in Faszi­keln verwahrten Akten umgepackt hatte), 60.000 Bände Geschäftsbücher, über 430.000 Karten und Plänen, etwa 116.000 dazugehörige Werke in Heft- oder Bo­genform sowie 275 Laufmeter Glasplatten der unterschiedlichsten Formate der damals noch der Kartensammlung angeschlossenen Bildersammlung. Dank der 75 Fink, Manfred: Das Archiv der Republik. In: „Schatzhäuser Österreichs". Das Österreichische Staatsarchiv. Wien 1996, S. 58 - 65. 76 KA, Reg. ZI. 293/19-KA/87; GenDion, GZ I99/27-GD/87. 77 Inzwischen hatte der Autor (* Wien, 30.4.1926) 1989 die Direktion des Hauses übernommen, der auch nach seinem mit Jahresbeginn 1992 erfolgten Übertritt in den Ruhestand weiterhin - mit Werkvertrag - die Übersiedlung und Neuaufstellung der Karten- und Bildersammlung leitete. KA, MS/KA, Nr. 164. 78 Von Beginn des Jahres 1992 an bis zum 31.12.2000, dem letzten Tag des zweiten Jahrtausends, stand Rainer Egger (* Baden, 15.1.1935), der die Direktion schon 1992 indas neue Gebäude ver­legt hatte, dem Archiv vor. Durch seine Aktivitäten innerhalb des Österreichischen Archivarsver­bandes - ab 1970 und als Redakteur der Verbandszeitschrift „Scrinium" - prägte er diesen Fach­verband entscheidend mit und wirkt als Lektor an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Uni­versität Wien, wodurch eine Beziehung zwischen dem Kriegsarchiv und dem Lehrbetrieb gegeben ist. 55

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