Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

JIRÁSKOVÁ, Alena: Die k. (u.) k. Militärakten im Militärarchiv Prag

Alena Jirásková gegeben, der die allmähliche Übergabe dieser Materialien an das neu eingerichtete Feldgerichtsarchiv in Wien verordnete. In dieser Weise konzentrierte sich in Wien schrittweise ein umfangreicher Komplex von Gerichtsakten verschiedener Proveni­enz. Im Rahmen der Archivtrennung trat Österreich der Tschechoslowakischen Republik alle Feldstrafakten der Jahre 1914-1918 ab, die Staatsbürger der CSR betrafen. Diese Materialien wurden neu geordnet, neue Signaturen eingeführt und ein zwölfbändiges Namenregister ausgearbeitet. In diesen Komplex wurden nicht nur die vom Feldgerichtsarchiv übernommenen Akten, wahrscheinlich wurden auch andere Gerichtsmaterialien von verschiedenen Kriegsgerichten eingegliedert. So ist ein mehr oder weniger unübersehbares Konglomerat entstanden, das leider ohne festgelegten archivalischen Gesichtspunkt erarbeitet wurde. Dieser sehr um­fangreiche Bestand (nach der Skartierung: ca. 2.500 Kartons von 3.746 Kartons) ist nur mit Hilfe des ausführlichen Namenregisters zugänglich. In dieser Sammlung sind alle Gerichtsbehörden des k. u. k. Heeres und der k. k. Landwehr vertreten, d. h. alle Delikte von den niedrigsten (Diebstähle, Betrügerei­en, Nichtbefolgung von Befehlen) bis zu den schwersten, die mit dem Tode zu bestrafen waren. Die Akten betreffen Militär- und Zivilpersonen, die aus Böhmen, Mähren und dem Gebiet der heutigen Slowakei stammten. Außer den bekannten politischen Prozessen (Kramár, Klofác, Masaryk, Preiss, Bezruc, Ceskä druzina u. a.) kann man auch Prozessakten von verschiedenen Arbeiterstreiks, Spionage und Desertionen sowie andere zahlreiche Gerichtsfällen von Einzelpersonen und Grup­pen finden. Der Bestand enthält Materialien von mehr als 250 Feldgerichten und ständigen Gerichten des Heeres und der Landwehr für den Zeitraum 1861-1918. Im Rahmen dieser Gruppe soll man auch die Materialien der Sonderuntersu­chungskommissionen erwähnen. Sehr interessante und letzter Zeit viel gesuchte Belege enthält der Bestand der Militär-Untersuchungskommission Prag: die Unter­suchung der Teilnehmer der so genannten Maiverschwörung im Jahre 1849 (Bakunin, Fric, Sabina, Arnold u. a.). Die schriftliche Dokumentation aus den Jah­ren 1848-1849 ist in 17 Kartons verwahrt. In VHA sind auch die Materialien von drei anderen Untersuchungskommissionen, die in Jahren 1855-1857 beim Gami- sonsgericht in Josefov tätig waren, hinterlegt. Die Gruppe der Materialien des medizinischen Dienstes enthält nur ein paar fragmentarisch erhaltene kleinere Bestände von Gamisons-, Truppen- und Reser- vespitälem. Von größerer Bedeutung ist der Bestand „ Vojenskä invalidovna Praha“ (Militärinvalidenhaus in Prag) aus den Jahren 1803-1923 in 446 Kartons. Die älteste Dokumentation ist sehr bruchstückhaft. Eine durchgehende Reihe von Akten ist seit 1867 erhalten. Es handelt sich vor allem um Ansuchen um Aufnahme in die Invalidenpflege, Korrespondenz der Kranken, Standesausweise, Tagesmel­dungen, Befehle usw. Als Findbehelf steht eine Reihe von 441 Amtsbüchem der Jahre 1803-1923 zur Verfügung. 486

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