Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv
JIRÁSKOVÁ, Alena: Die k. (u.) k. Militärakten im Militärarchiv Prag
Die k. (u.) k. Militärakten im Militärarchiv Prag Im VHA ist auch eine Gruppe von Beständen betreffend das Militärschulwesen hinterlegt: Militärakademien, Realschulen, Kadettenschulen und eine Reihe von militärischen Fachinstituten. Diese Institutionen dienten der Offiziersausbildung und bereiteten auf das Studium an Hochschulen vor, Kadettenschulen führten die Fachausbildung nach Waffengattungen durch. Bei einzelnen Korps waren Korpsoffiziersschulen errichtet. Amtsbücher geben Information über Zahl, Fortgang und Beförderungen der Schüler usw. Das Aktenmaterial informiert über einzelne Zöglings-Jahrgänge. Die Mehrzahl bilden Ansuchen und Meldungen, Verordnungen, Vorschläge und Befehle. Interessant sind die so genannten Unterrichtsbehelfe, die als Handbücher dienten: Sammlungen von Vorträgen aus der Militärgeschichte, Schilderungen von Schlachten, Lebensläufe der Feldherren usw. Diese Materialien bringen nicht nur die Fakten über Ereignisse, sondern vermitteln auch die Anschauungen ihrer Zeit und informieren über Bildungsart und Niveau der Schulen. Zu den bedeutenden Beständen zählen z. B.: Korpsoffiziersschule in Prag (1888— 1918; 8 Kartons), Militäroberrealschule in Mährisch Weisskirchen (1876-1918; 20 Kartons mit einer umfangreichen Reihe von Amtsbüchem), Infanteriekadettenschule in Brünn-Königsfeld (vor allem Amtsbücher), Kavalleriekadettenschule in Mährisch Weisskirchen (12 Kartons). Eine sehr interessante Gruppe bildet der vereinigte Bestand Militärbauämter, Fortifikations-, Genie- und Militärbaudirektionen, Militärbauabteilungen usw. Ihre Tätigkeit lag in der Durchführung und Leitung aller Bauarbeiten im Rahmen der Armee. Daraus entstand eine reichhaltige Dokumentation, einschließlich Pläne, Karten, Skizzen und Risse von wichtigen Festungsobjekten in Böhmen und Mähren, aber auch von kleineren Bauten und Objekten. Die Militärbauämter sind auch Urheber einer interessanten Sammlung von Plänen, die gegenwärtig von Forschem sehr intensiv benutzt werden. Die Sammlung enthält vor allem Pläne und Risse von Barockfestungen in Böhmen und Mähren sowie weiterer Militärobjekte im Inneren von Festungen oder in den Territorialbereichen der einzelnen Bauämter. Es handelt sich insbesondere um die Pläne der bedeutenden Festungen Terezin (Theresienstadt), Josefov (Josefstadt), Hradec Králové (Königgrätz), Olomouc (Olmütz) und Cheb (Eger) von 1784 bis 1918. Sehr wichtig sind - vor allem vom Gesichtspunkt der genealogischer Forschung - die Sammlungen von Militärgrundbuchblättern, Karteien der Gefallenen und Verstorbenen des Ersten Weltkrieges sowie eine Serie von Matrikeln. Grundbücher wurden in der österreichischen Armee während der Regierang Maria Theresias eingeführt.' Sie enthalten neben den elementaren Personaldaten auch eine physiognomische Personenbeschreibung, manchmal auch Angaben aus dem 1 Anmerkung der Autorin: Einzelne Grundbücher von k. k. Regimentern sind bereits aus dem 18. Jh. erhalten, die eigentliche Grundbuchsevidenz (Grundbuchsblätter) wurde in der k. k. Armee jedoch erst im Jahre 1820 eingeführt. 487