Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Die Seitenaltarbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald son des Jean-Ambroise Duvergier de Hauranne (genannt Saint-Cyran,f 1643) ent­scheidend, die vor allem eine Reform der Kirche durch die Rückkehr zur ur­sprünglichen Strenge als notwendig ansah (sog. Pilmot-Plan)6a. Frühaufkläreri­sches und antikuriales Gedankengut wurde Maria Theresia bereits durch ihren Geschichtslehrer Gottfried Philipp Spannagel (t 1749) nahe gebracht68 69. Jansenisti- sche Einflüsse wurden Maria Theresia, die dem Jansenismus besonders gegen Ende ihres Lebens Bedeutung beimaß, seit den sechziger Jahren vor allem durch ihren - einem verinnerlichten, milden und aufgeklärten mit jansenistischen, quietistischen und aufklärerisch-deistischen Elementen verbundenen Christentum nahe stehenden — Gemahl70, möglicherweise auch durch den holländischen Jansenisten Gerhard van Swieten71 und den gleichfalls jansenistisch und außerordentlich anti-jesuitisch ge­sinnten Gewissensrat der Herrscherin, Propst Ignaz Müller, den letzten Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes von St. Dorothea in Wien, vermittelt72. Aus der Bi­bliothek von Ignaz Müller, die eine große Zahl an jansenistischen Erbauungsbü- chem enthielt, gelangten diese - auf dem Index stehenden - Werke in die Hände der Kaiserin und gehörten zu ihrer täglichen Erbauungslektüre73. Die Schriften Pascals, Amaulds, Nicoles, Colberts, Mésenguys, Duguets, Letoumeux' und be­sonders die „Heures de M. le Cardinal Noailles“ zählten zur Lieblingslesung der 68 Höfer, Josef - Rahner, Karl (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. Bd. 1-11. Frei- burg/B. 2. Aufl. 1959 (Reprint Ebenda 1986), Bd. 3, Sp. 617 (Karl Schmitt); grundsätzlich zum Jansenismus: Vacant, A., Mangenot, E., Amann, E.: Dictionnaire de Theologie catholi- que. Bd. 1-16. Paris 1924, Bd. 8, Sp. 318-529 (J. Carreyre); Theologische Realenzyklopädie, hrsg. von Gerhard Müller. Bd. 1-30. Berlin-New York 1987, Bd. 16, S. 502-509 (Charles H. O'Brien); Lexikon für Theologie und Kirche, hrsg. von Walter Kasper, bisher Bd. 1-8. Frei- burg/B, Basel-Rom-Wien 3. Aufl. 1996, Bd. 5, Sp. 739-744 (Frankoise Hildesheimer). 69 T s c h o 1, Helmut: Gottfried Philipp Spannagel und der Geschichtsunterricht Maria Theresias - Ein Beitrag zur Erklärung ihrer kirchenpolitischen Haltung, ln: Zeitschrift für katholische Theo­logie 83 (1961), H. 2, S. 208-221; Hersehe: Spätjansenismus, S. 149 f. 70 Wandruszka, Adam: Die Religiosität Franz Stephans von Lothringen. Ein Beitrag zur Ge­schichte der „Pietas Austriaca“ und zur Vorgeschichte des Josephinismus in Österreich, ln: Mit­teilungen des Österreichischen Staatsarchivs 12 (1959), S. 162-173, hier S. 172 f.; Hersche: Spätjansenismus, S. 157-159; Wandruszka : Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 32, S. 59 und S. 63. 71 Hersche: Spätjansenismus, S. 119; Anm. 88 (mit Lit.). 72 Walter: Stellung, S. 40; Wandruszka: Religiosität, S. 162; Derselbe: Staatsgedanke, S. 183; Hersche, Peter: War Maria Theresia eine Jansenistin? In: Österreich in Geschichte und Literatur 15 (1971), S. 14-25; Brandt, Manfred: Marx Anton Wittola. Seine Bedeutung für den Jansenismus in deutschen Landen. Steyr 1974 (Forschungen zur Geschichte der katholischen Auf­klärung 1); Hersche: Spätjansenismus, S. 125-134, 155, 358 f.; Wandruszka: Maria There­sia und ihre Zeit, S. 37 f.; Derselbe: Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 59, 63; Zöll­ner: Geschichte, S. 315. 73 Hersche: Spätjansenismus, S. 131, 148, 150 f., 359; Wandruszka: Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 63. 393

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