Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

AGSTNER, Rudolf: Österreichische Konsulate in der Schweiz

konnten weder Khuner noch die Brüder Schicht in Erscheinung treten, insbesonde­re auch, weil Produkte nach Österreich-Ungarn ausgefuhrt werden sollten. Außer­dem scheint es von Anfang an auch holländische Interessen gegeben zu haben. Das Aktienkapital betrug anfänglich 2,500 000 Franken; Delegierter des Verwaltungs­rates wurde der Schweizer Industrielle Jacob Schmidheiny'9. Nach dem Ersten Weltkrieg kam Khuner im Juni 1919 nach Zürich; am 15. November 1922 wurde ihm eine auf ein Jahr befristete Aufenthaltsbewilligung erteilt. Khuner ließ sich in Zoliikon nieder. 1922 wurde Khuner Delegierter des Verwaltungsrates der SAIS mit einem Gehalt von 30 000, später von 60 000 Franken, und um 1928 alleiniger Delegierter, wäh­rend Schmidheiny Vizepräsident des Verwaltungsrates wurde; das Aktienkapital betrug damals 5 Millionen Franken. Khuner, von Beruf „Öl- und Fettindustrieller“, nahm am 1. Januar 1924 seine Amtstätigkeit auf, obwohl sein Exequatur erst vom 26. Februar 1924 datiert. Of­fenbar um den Beginn seiner Tätigkeit zu erleichtern, wurde ihm vom 1. August 1924 bis 20. April 1925 mit Vizekonsul Josef Kripp59 60 ein erfahrener Beamter an die Seite gestellt. Nach der Ernennung Khuners befand sich das Konsulat in der Kap- pelergasse 17, dem Sitz der „S.A.I.S.“, übersiedelte 1931 in die Stampfenbachstra­ße 6, und war zwischen 1932 und 1935 in der Seefeldstraße 8, ebenfalls Sitz der „S.A.I.S.“61 Die tatsächliche Arbeit am Honorarkonsulat versah ab 1. Januar 1924 bis zum Anschluss der Honorarkanzler und Kanzleileiter Regierungsrat i.R. Josef Klier, der offenbar schon ab 1922 am Konsulat amtierte.62 Mit 1. Mai 1934 erhielt das Honorarkonsulat vom Amtsbezirk des geschlossenen Honorarkonsulats Basel den Kanton Aargau zugewiesen; Honorargeneralkonsul Khuner erhielt ein neues Exequatur lautend auf Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, Ob­walden, Nidwalden, Glarus, Zug, Schaffhausen, Graubünden, Aargau und Tessin. Schon am 5. März 1934 meldete die österreichische Gesandtschaft dem Bundesrat, dass Honorargeneralkonsul Khuner seinen Wohnsitz ins Ausland verlegen wird, und somit die Ernennung eines Nachfolgers erforderlich würde. Als geeignete Kandidaten boten sich zwei Schweizerbürger an, die beide der österreichischen Großindustriellenfamilie Schoeller angehörten und Enkel des aus Sachsen gebürti­gen Wilhelm Rudolf Schöller waren, der kaiserlich deutscher Honorarkonsul in Zürich und Textilfabrikant gewesen war. Österreichische Konsulate in der Schweiz - Teil I 59 Dr. Ing. h.c. Jacob Schmidheiny-Alder, * Schloß Heerbrugg 21. Juni 1875, + 1955. 60 Josef (Baron) Kripp, * Innsbruck 11. November 1896, t Meran 30. April 1980, österr. Gesandter in Santiago de Chile 1949-1951, Gesandter beim Hl. Stuhl 1951-1952, Botschafter 1952-1961. 61 Laut Österreichischem Amtskalender; der Eidgenössische Staatskalender führt das Konsulat weiterhin mit der Adresse Kappeiergasse 17 an. 62 * Wien 16. November 1872. 31

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