Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)
LILLA, Joachim: Die Vertretung Österreichs im Großdeutschen Reichstag
Joachim Lilla Nachdem die Beschwerde gegen das Urteil des Gaugerichts von der I. Kammer des Obersten Parteigerichts am 29. Januar 194192 als „unzulässig“ zurückgewiesen worden war, teilte Frick am 24. Februar9’ dem Gauleiter von Niederdonau Dr. Hugo Jury mit, er halte es nach der Bestrafung „nicht für tragbar, daß Pg. Esel weiter dem Reichstag angehört“ und übersandte eine Verzichtserklärung, die Esel „zur Vermeidung eines Ausschlusses“ unterschreiben sollte. Dieses geschah nach einer Mitteilung vom stellv. Gauleiter Niederdonau, Karl Gerland94, am 23. März 1941. Als Nachrücker wurde von Gauleiter Dr. Jury der Kreisleiter Konrad Hammetter vorgeschlagen, der dann - da er nicht auf dem Wahlvorschlag 1938 stand - wie schon oben dargestellt unter Vermittlung Bormanns mit Zustimmung Hitlers in den Reichstag berufen wurde. Eduard Hönisch95 Im Zuge der Überprüfung der österreichischen Reichstagsabgeordneten im Frühsommer 1938 kam zu Tage, dass der Abgeordnete Eduard Hönisch im September 1929 vom Kreisgericht St. Pölten wegen Diebstahls zu sechs Wochen schweren Kerkers, verschärft durch ein hartes Lager, verurteilt worden war. Gauleiter Bürckel bat daraufhin, „den Abgeordneten Hönisch aus dem Reichstag zu entfernen“. Als Nachfolger wurde Professor Dr. Richard Suchenwirth vorgeschlagen96. Fabricius leitete den Vorgang zur Stellungnahme (wohl versehentlich) an den Gauleiter in Salzburg, Dr. Friedrich Rainer, weiter, von dem er wohl zuständigkeitshalber an die Gauleitung Niederdonau weitergereicht wurde, wo „Erhebungen streng vertraulich angeordnet“ wurden97. Die Gauleitung Niederdonau berichtete erst am 25. April 19399* in dieser Angelegenheit: Gauleiter Pg. Dr. Jury bezeichnet den Pg. Eduard Hönisch als einen der verläßlichsten, treuesten und mutigsten Kämpfer von St. Pölten, der durch sein Verhalten selbst angesichts des Todes, ihn als verantwortlichen Leiter des damaligen Kampfes und noch viele andere Parteigenossen und SA-Männer, vor schweren Folgen rettete. Zudem sei Hönisch ein schwer kranker Mann. Dem gegenüber falle der von Hönisch „in der Jugend aus Dummheit genannte Fehltritt [...] gar nicht ins Gewicht“. Ebenso argumentierte auch Gauleiter Dr. Jury noch einmal am 20. Mai99 gegenüber dem Fraktionsvorsitzenden Frick und bat darum, „den Verbleib des Pg. Hönisch im 92 Beschluss V 18/40 vom 29. 11. 1940, fol. 85. 93 Ebenda, fol. 83 f. 94 Ebenda, fol. 95. 95 Vorgänge in BA NS 46/13, fol. 137-265. 96 Reichskommissar Bürckel - Stab an Fraktionsgeschäftsführer Fabricius, 08.07.1938; Ebenda fol. 137. 97 Gauninspekteur Mühlberger, GL Niederdonau, an Reichstagsfraktion, 22.07.1938; Ebenda fol. 141. 98 Desgleichen am 25.04.1939, ebenda fol. 163. 99 Ebenda, fol. 173-175. 252