Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. davon (20 000 Gulden jährlich) möchte er von der Wiener Waag-Maut kassieren. Die Stadt Wien, die bis dato von dort ihr Darlehen zurückbezahlt bekommt, soll auf seine alten Ämter verwiesen werden. Die Hofkammer resolviert dazu: Da der Kaiser wolgedachten Herrn Marg-graven disorts gnädigst gern gratificirt sehen möchte, soll die Nö. Kammer mit den Vertretern Wiens darüber verhandeln.4"' Diese Zahlungsumschichtung erfolgte allerdings nicht. Zu Jahresende 1624 starb Erzherzog Karl, der jüngste Bruder von Ferdinand II. Als Bischof von Breslau, Brixen und Großmeister des Deutschen Ordens hatte er bedeutende Einnahmen und bedachte in seinem Testament Don Matthias mit der großen Summe von mehr als 8 000 Gulden. Das Geld wird auch recht bald ausbezahlt. Auch der Rat Hätzenberger wurde mit fast 2 000 Gulden bedacht — der bekam sein Geld nicht so schnell und trat diese Forderung später an Don Matthias ab.4"4 Zu Beginn des Jahres 1625 finden wir Don Matthias noch vorwiegend am Tennisplatz. Auch sonst läßt er es sich recht gut gehen. Er und sein Hof verzehren in diesem Jahr Konfekt für die stolze Summe von 454 Gulden.4"5 Sein Hofküche benötigt im 1. Halbjahr 1625 Gewürze und Spezereien um 558 Gulden-sehr oft genannt werden Kästen (Kastanien), Nelken, Zitronen, Pfeffer und Zucker.4*6 Zum Vergleich: der Hofkammer-Ingrossist, also der Mann, der die kaiserlichen Dekrete an Don Matthias ins Reine schrieb, hatte ein Gehalt von 120 Gulden jährlich. Im Jänner 1625 hören wir zum ersten Mal von einem großen militärischen Kommando für Matthias. Ein gut informierter Ungenannter berichtet nach Spanien, daß Oberst von Pappenheim eine Spanische Bestallung bekommen habe, desgleichen der Graf von Sulz und auch Don Matthias d’Austria hat für 3000 Mann und sein Herr Bruder auf 5 Kompanien Reiter einen Werbeauftrag erhalten.4"7 Seit April 1624 leitet Kardinal Richelieu die französische Außenpolitik. Er beginnt seinen Kampf gegen die habsburgische Einkreisung mit einer aktiven Italienpolitik - er unterstützt das habsburgfeindliche Venedig und Savoyen, das Ambitionen auf das spanische Mailand hegt. Sein erster großer Erfolg ist die Sperrung der Veltliner Pässe in der Schweiz, wodurch die Verbindung zwischen den spanischen Ländern im Süden und denen im Norden unterbrochen wird. Gleichzeitig bedroht Savoyen die Selbständigkeit der habsburgfreundlichen Adelsrepublik von Genua von Norden her - ein Krieg in Italien scheint unausweichlich. Für den Kriegsschauplatz in Deutschland - natürlich hatte die katholische Seite auch die für 1625 sich anbahnende Allianz der Höfe Kopenhagen, Paris, Berlin, London und Den 483 484 485 486 487 483 HKA. HF, r. Nr. 197, 1625 Jän 13. 484 HKA, HF, r. Nr. 203, 1626 Jul 13. 485 HKA, Nö. HA, W 6IA/9, fol. 873. 486 HKA, Nö. K, 1648 Feb 25, fol. 62-66. 487 HHStA, Österreichische Akten, Niederösterreich 10b, fol. 431r. 83