Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper ein Befehl, der am 21. Oktober wiederholt werden muß."7 Tatsächlicher Grund der Not aber ist, daß Matthias das Geld mit vollen Händen ausgibt. Allein vom 22. Jänner bis 11. August 1622 bezieht er, bzw. sein Hof von Pestaluzzi Geld und Waren im Wert von 11 961 Gulden. Im Detail sieht das so aus: Am 22. Jänner kauft Matthias bei ihm: Samt, goldene und silberne Knöpfe, Seidenknöpfe, Seiden­bänder, französisches Tuch, Silberschnüre, gesprenkelte Tuche, silberne niederlän­dische Wamsleinwand, Seiden, Barchent, Taft, Atlas mit Gold. Am 19. April kauft er um 1 049 Gulden Textilien, Goldknöpfe etc. Die Farben rot, gold, silber über­wiegen. In der nächsten Woche kauft sein Schneider um 954 Gulden Samt und Seiden ein. Diesmal überwiegt die Farbe schwarz. Am 4. Mai darf Jacques Brune- au, Resident der Infantin in Brüssel, auf Kosten von Matthias bei Pestaluzzi um 130 Gulden einkaufen, was bedeutet, daß jener für Matthias etwas Besonderes erreicht haben muß. Am 6. Mai geht wieder der Schneider von Don Matthias ein­kaufen: Textilien um 1 441 Gulden, zumeist für Liberey (Livree), werden erstan­den. Die Farbe blau überwiegt. Eine Woche später ist er wieder unterwegs und ersteht Waren um 1473 Gulden, zumeist für den Kämmerling, den Franzischko Mademo und Heitzenberger. Ein Paar schwarze Seidenstrümpfe kostet allein schon 30 Gulden. Am 10. Mai kauft Don Matthias bei Paul Reinprecht Waren um 1347 Gulden; Pestaluzzi bezahlt für ihn. Am 19. Mai darf Oberst von Coloredo bei Pe­staluzzi auf Kosten Matthias’ um 600 Gulden Seiden waren kaufen und am näch­sten Tag folgt Pestaluzzi auch dem Tennislehrer Julio Anfosso für 100 Gulden Waren aus. Im Juli wird gespart: der Schneider von Matthias und der Hofmeister Schnepf kaufen bei Pestaluzzi um nur 103 Gulden Stoffe ein. Die Kleidung für Schnepf kommt auf 50 Gulden. Im August kauft dafür der Kämmerling um 1971 Gulden ein. Die Farbe braun überwiegt.447 448 Dann benötigt Matthias selbst Kleider um 2 000 Gulden. Am 12. Mai kauft er vier Paar Kleider um den günstigen Preis von 160 Gulden.449 Vom Wiener Handelsmann Stein erhält Matthias Waren im Wert von 1178 Gulden450 und im August unterschreibt Matthias dem Gewürzhänd­ler Toppelhamber eine Obligation über 230 Gulden für Spezereien.451 Am 4. No­vember kauft er beim Handelsmann Anton Negroni, wieder einem in Wien tätigen Italiener, um 2 000 Gulden ein.452 Allein diese Posten ergeben zusammen etwa 20 000 Gulden, also soviel wie das gesamte Jahresdeputat - dabei sind hier noch keine Gehälter, Mieten, Lebensmittel und sonstigen Ausgaben genannt. Daß dem Don Matthias oft überhöhte Rechnun­447 HKA, HF, r. Nr. 187, 1622 Aug 27, Sep 12 und Okt 21. 448 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 221,223, 231 f„ 236 f., 252-259. 449 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 155 f. und 167. 450 HKA, Nö. HA, W 61A/9, fol. 888. 451 HKA, Nö. K, 1648 Feb 25, fol. 14. 452 HKA, Nö. HA, W 61A/9, fol. 889. 76

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