Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. gen gestellt wurden und er oft genug betrogen wurde ist klar. So forderte etwa Maria Proceller, die Witwe seines Hofmeisters aus der Verlassenschaft des Don Matthias nicht weniger als 25 000 Gulden, die Matthias im Jahr 1622 schuldig geworden sein soll. Laut Nachlaßverwalter kann diese Schuld nur durch eine Fälschung entstanden sein; Georg Proceller sei ein mittelloser, fallierter Grazer Kaufmann gewesen, der sich in den Schutz von Don Matthias begeben und ihn zum Dank nach Kräften betrogen habe. Vermutlich hatte er irgendwo eine Carta bianca gefunden und selbst den Betrag eingesetzt.453 Im Jahr 1622 wird der recht große Hofstaat von Matthias noch erweitert: Am 4. Juli ernennt er Andreas Wolf Säbisch von Rodäschwitz, Dr. Medicinae, zu seinem Leibarzt mit 200 Gulden jährlich. Säbisch kam aus Olmütz und hatte erst 1621 in Wien eine Praxis aufgemacht. Am 25. April 1625 quittiert er den Dienst, weil er als Landschaftsarzt nach Graz geht.454 Ob die Anstellung eines Leibarztes aus Gründen des höheren Prestiges oder der mangelnden Gesundheit erfolgte ist unklar. Gegen ein körperliches Gebrechen von Matthias spricht sein neues Hobby, das Tennisspiel. Es wird die große Leidenschaft von Matthias, hunderte Spieltage, vor allem im Winter, wenn er in Wien ist, sind nachweisbar. Er engagiert sich Giuglio Anfosso, einen italienischen Ballmeister - pallone maestro, der ihn im Tennis unterrichtet, Rackets und Bälle besorgt. Noch im Mai darf er sich bei Pestaluzzi für 100 Gulden Waren aussuchen und dann bezahlt ihm Matthias in den nächsten drei Jahren 300 Gulden - 270 Gulden bleibt er ihm genauso schuldig wie jene 250, die er ihm vor seiner Abreise nach Flandern versprochen hatte. Wir kennen auch die Spielpartner von Matthias, es ist ein who is who des damaligen Adels: Puchheim, Herberstein, Scharenberg, Polheim, Paolo und Allegria Spagnuolo, Pemstein, Merode, Isahac, Dr. Vezzi, Losenstein, Des- four, della Barra, Heitzenberg, Naidegg, Kempner, Kunritz, Weickhart, Feltz, Alt- han, Hobelsberg, Kuefstein, Würms, Harrach, Fürstenberg, Schönkirchen, Czemin, Nagero, Rotterberg, Tragola, Dr. Haffner, Zech, Montecuccoli und Oldenburg. Der Verbrauch an rachette (= Rackets) ist enorm; entweder waren diese von sehr geringer Qualität oder Matthias hat sie aus Zorn regelrecht zerdroschen. Im November und Dezember des Jahres 1622 finden wir ihn meist im Ballhaus, wo er fast täglich, manchmal sogar vormittags und abends Tennis spielt.455 Aus dem Jahr 1623 haben sich nur wenige Akten betreffend Don Matthias erhalten. Aus ihnen scheint hervorzugehen, daß er in Ungarn, in den Feldzügen gegen Bethlen Gabor aktiv war. Er erhält sein Geld vom Kriegszahlmeister456, von der ungarischen Kammer Preßburg - aber auch von der Infantin von Brüssel. So kann 453 HKA, Nö. HA, W 61A/9, fol. 896. 454 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 128 f. 455 Ebenda, fol. 133. 456 HKA, Prot. 1623 E, fol. 689v. 77