Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper Ferdinand II. wollte die Hochzeit schon öffentlich verkündigen, doch da stirbt der Vater der Braut, wodurch sich die Heirat verzögert und die Zahl der Mitbewer­ber vermehrt. Hinderlich ist auch, daß der Geheime Rat nicht will, daß so ansehnli­che Güter in Sizilien von einem Fürsten von der Qualität des Don Matthias posse- dirt werden.416 Auch der neue spanische König Philipp IV. scheint der Hochzeit abgeneigt. Die Sache zieht sich mehr und mehr in die Länge und am 23. Juni 1623 entschuldigt sich Khevenhüller bei Ferdinand II., daß er so lange nicht über die Heiratssache berichtet hat. Bis jetzt habe man ihn von Seiten des Hofes hingehal­ten, nun weiß er auch warum: Der mächtige Conde de Olivares will die Braut sei­nem Vetter, dem königlichen Kämmerer Don Geymon Manriques verschaffen, der freilich nur ein mittlerer Edelmann ist. Außerdem hat der Condestable von Nea­pel - Herzog Colonna - für seinen Sohn um die Hand der Prinzessin angehalten - auch er wird vom Hof hingehalten. Mutter, Tochter und Freunde incliniren zu einer so stattlichen Heirat wie mit Don Matthias, sie furchten aber, dadurch den König und Olivares zu verärgern. Letzteres wäre ihrem Prozess, den sie um die Güter des verstorbenen Principe führen, sehr abträglich.416 417 Die Heirat mit Matthias kommt letztlich nicht zustande. Margareta heiratet den Federico Colonna, den Sohn des Condestable (Militärkommandant) von Neapel. Der kommt so in den Besitz ihrer Güter und erhält durch ihre Hand auch das Für­stentum Butera. Er stirbt jedoch schon 1641, sie erst 1659.418 4. 6. Geldsorgen, Reisen und Militärdienst Im März 1620 finden wir Matthias nach elfmonatiger Abwesenheit wieder in Wien. Die lange und teure Reise hat die ersehnte Heirat nicht gefordert - immerhin hat er in Brüssel einiges erreicht und viel Geld versprochen bekommen. Dieses Geld will er als ein erkenntes Glied des Bluets der Habsburger nun in Wien von der Hofkammer einfordem, obwohl er nit unwissent, daß diser Zeit an Mitln ermanglen tut. Die Finanzbehörde schätzt diese Einsicht sehr: Don Matthias hat selbst hoch vernünftig die Impossibilität seine Forderungen gleich zu erfüllen erwogen, darvon auch sogleich was zu haben nit attendirt, sondern nur zu künfftiger Verbesserung Anweisung zu haben gebeten.419 Kurz vor seiner Abreise in die Niederlande hatte ihm Ferdinand II. als einem Aventurier 6 000 Gulden Kriegspension bewilligt, von denen er bis dato nichts gesehen hat. Er bittet nun um das Geld, damit er sich auf das jetzige Kriegswesen ausstafßrn und Eur Mat. hinwiderumb mein Schuldigkheit und gehorsambste Dienst erzaigen kunnt. Außerdem bittet Don Matthias den Kaiser um etwas „Ansehnliches“ aus den Mobilien des verstorbenen Kaisers Matthias, ein fürnem­416 HHStA, StA, Spanien, Dipl. Korrespondenz, Karton 17, S. 58 und 255. 417 HHStA, StA, Spanien, Dipl. Korr. Khevenhüller aus dem OÖLA, Jg. 1623, S. 136-138. 418 Hübner, Johann: Genealogische Tabellen. 4 Bde. Leipzig 1733-1737, hier Bd. 4, Tab. 1103. 419 HKA, HF, r. Nr. 180, 1620 Jun 11, fol. 27-30. 70

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