Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. 4. 3. Der Venezianerkrieg Aus der Reise in die Niederlande wird zunächst nichts - der Ausbruch des Krie­ges mit Venedig im Jahre 1615 bietet dem nun 24jährigen Matthias die Chance, sich durch militärische Erfolge als ein nützliches Mitglied des Erzhauses zu erwei­sen. Die Venezianer hatten 1593 die Feste Palma Nova errichtet, um ihre Grenzen bis zum Isonzo auszudehnen. Sie nahmen die dauernden Seeräubereien der Uskoken - sie sind die Grenzwächter Innerösterreichs gegen die Türken - zum Anlaß für den Krieg. Dem hauptbetroffenen Erzherzog Ferdinand, der in Innerösterreich regierte, waren wegen der Türken die Hände gebunden und er war Venedig, vor allem fi­nanziell, hoffnungslos unterlegen. Zu seinen innerösterreichischen Mannschaften erhielt er einige Verstärkung aus Tirol und einige wenige kaiserliche Truppen. Die Haupthilfe kam von Spanien, d.h. Don Pedro de Toledo, der spanische Statthalter in Mailand warb auf seine Kosten Truppen, die von Don Balthasar Zuniga und Don Matthias kommandiert wurden.-'48 Der über zwei Jahre währende Krieg hat keine entscheidende Taten, noch weniger großartige Ereignisse aufzuweisen; dennoch fielen Tausende als dessen Opfer, unter ih­nen der vornehmste Feldherr jedes Teiles, keiner in der Feldschlacht, beide unter Vor­kehrungen zum Bau von Schutzwehren, ln der Errichtung von solchen, in dem Kampf um sie, in nächtlichen Überfallen, in Angriffen auf einzelne Posten, in ununterbroche­nem Necken und Abwehren schleppte sich ohne Entscheidung dieser Krieg durch die Jahre. Er ist wenig bekannt, weil keiner der streitenden Teile auch nur einen Fuß breit an Boden gewann.'49 Die Feindseligkeiten entbrannten schon zu Ende des Jahres 1615,weil Erzherzog Ferdinand die Uskoken nicht-wie von den Venezianern verlangt-aus Zengg vertreiben wollte. Am 17. Dezember 1615 besetzen die Venezianer Cormons und rücken weiter vor, bis vor Gradisca, wohin Erzherzog Ferdinand eiligst 900 Mann verlegt. Bis in den März 1616 belagern die Venezianer erfolglos die Stadt. Im April und Mai dieses Jahres finden wir Matthias mit seinen Reitern und Pferden im Solde von Don Balthasar de Zuniga."'1 Danach bewirbt er sich um ein österreichisches Kommando. Der Hofkriegsrat frägt nun wegen einer Obristenstelle für Matthias bei Erzherzog Ferdinand an”1 und erhält von diesem die Weisung, nach eigenem Guet- bedunken und Gelegenheit seiner Qualitäten den Don Matthias in Befehl zu neh­men.'52 Der Hofkriegsrat scheint von ihm eine gute Meinung zu haben: am 2. November 1616 wird er ermächtigt, ein 500 Mann starkes Fähnlein hoch­deutscher Knechte aufzustellen und zunächst auf drei Monate, dann nach Bedarf zu 348 * 350 351 352 348 Khevenhüller: Annales Ferdinandei, Bd. 8, S. 293. 149 Hurter: Ferdinand II., Bd. 3, S. 132 f. 350 Khevenhüller: Annales Ferdinandei, Bd. 8, S. 290. 351 HHStA, Österreichische Akten, Innerösterreich, r. Nr. 14 (IÖ. Grenzsachen), 1616 Aug 31. 352 KA, HKR Wien, Prot 1616 R, fol. 247. 55

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