Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper besolden. Er selbst bekommt monatlich zur Leibsbesoldung 250 Gulden, für seinen Fähnrich gibt es 75 Gulden, für den Leutnant 50 Gulden, den Feldwebel 30, den Feldschreiber 20, zwei gemeine Webel 16, zwei Fouriere (= Wirtschaftsunteroffi­ziere) mit zusammen 58 Gulden, 4 Trommelschläger und 4 Pfeifer 64 Gulden. Der gemeine Mann bekommt ein Laufgeld von einem Gulden, das gesamte Fähnlein kommt auf monatlich 4 500 Gulden zu stehen.15’ Üblicherweise hat ein Regiment 10 Fähnlein á 300 Mann unter einem Hauptmann; das Fähnlein besteht aus 100 Doppelsöldnem, 150 Musketieren und 50 gemeinen Schützen. Die Lands­knechtausrüstung kostete 4 Gulden 15 Kreuzer, ein Spieß 40 Kreuzer, eine Mus­kete mit Zubehör 4 Gulden, eine Rundtartsche mit Haube und Stecher 12 Gulden 12 Kreuzer."4 Als Truppenkommandant leistet sich Matthias weiteres Personal: er stellt Chri­stoph Häuserer als Mundschenk an, mit 200 Gulden jährlich und je einem Kleid zu Weihnachten und zu Ostern. Dieser Häuserer wird Matthias bis in seine letzten Tage dienen. Im Lager muß Häuserer aber mehr tun, als nur Wein einzuschenken: Don Matthias hat mir das ganze Hauswesen vertraut und das hat so lange gewert, bis wir wiederumb aus dem Lager komén sein, das ist 9 oder 10 Monat [...] Als Don Matthias mich allein mit dero Pagaschi, Leuthen und Rossen im Lager ge­lassen, hab ich von dem meinen dargeliehen."5 Die Werbung scheint sehr schnell vor sich gegangen zu sein, denn schon am 11. November 1616 ergeht der Befehl an die Verordneten in Kärnten, daß ihr Ge- gen-kommissarius des Don Matthias de Austria Volk übernehmen und in das Feld­lager geleiten soll.353 354 355 356 Am 14. Dezember 1616 endet ein Gefecht bei Lucinise (unweit von Görz) mit einem österreichischen Erfolg. Matthias scheint dort mit seinen 500 Knechten aber erst am 18. Dezember eingezogen zu sein. Er bleibt nicht dort, sondern kehrt zu neuer Werbung nach Deutschland zurück."7 Während seiner Abwesenheit dürfen der Fähnrich und die anderen Befehlshaber ihre Stelle nicht verlassen. Im Jänner 1617 finden wir Matthias in Graz, im Februar dürfte er wieder im Lager gewesen sein - er beschwert sich, daß ihm viele Soldaten entlaufen.358 Am 1. April kommt Don Matthias tatsächlich ins Feuer. Er verteidigt mit seinem Fähnlein erfolgreich die Stemschanze - die Schlüsselstellung für den Erhalt von Görz und Gradisca. Die Venezianer wollten Gradisca endlich erobern, wozu sie den Isonzo überschreiten mußten. Mit 6 Mauerbrechern wirkten sie unter Johann von Medici am 1. April auf die Stemschanze, in welcher Don Matthias mit seinem Fähnlein lag und auf die Schanze oberhalb der steinernen Brücke. Der venezianische Angriff kann nach einigen Anfangs­353 KA, Feldakten, 1616 11 3 1/2. 354 Hurter: Ferdinand II., Bd. 3, S. 132-135. 355 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 2 f. 356 KA, HKR, Croatica Prot 1616, fol. 257. 357 H urter: Ferdinand II., Bd. 7, S. 142. 358 KA, HKR, Croatica Prot 1617, fol. 16 und 45. 56

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