Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper dem Reichspfennigmeister Welser, die Wechsel fur Don Matthias wieder gut zu machen.’" Am 14. Februar finden wir Krauseneck bereits auf dem Rückweg. In Fano vernimmt er, daß ein überaus großer Schnee und böser Weg am Hinausreisen hindere, sodaß er seinen Postritt nach Trient einstellt. Er will nun doch mit Don Matthias gemeinsam die langsamere Reise mit der Sänfte machen, damit ihm nichts zustoße.’12 Am 28. März 1608 ist die Reise glücklich zu Ende - sie hat 6 338 Gul­den gekostet.’1’ Danach dürfte es direkt nach Ingolstadt gegangen sein, denn schon am 5. April berichtet Peter de Vischer, daß Don Matthias in Ingolstadt studiert.’14 Das verwun­dert ein wenig, galt doch diese Universität damals als ein Bollwerk des katholi­schen Glaubens, dem der Kaiser angeblich nicht so sehr hold war. Matthias ist dort aber nicht sehr lange gewesen, denn schon seit 1609 ist er in Graz, wo er gemein­sam mit seinem Bruder Karl im Grazer Jesuitenkolleg erzogen wird, nachweisbar. Die Versendung der kaiserlichen Söhne nach Graz steht wohl mit der teilweisen Entmachtung von Rudolf II. im Jahre 1608 im Zusammenhang. Mathias hält sich nach den Worten von Ferdinand II. bei unserer Universität zu Gräz etliche Jahr lang in studiis auf und hat in denselbigen wohl proficirt.3'3 Matthias und sein Bruder wohnen in Graz bei einem privaten Vermieter und ein eigener Hofmeister, Karl Albrecht Benk und dessen Gattin Maria Magdalena füh­ren ihnen den Haushalt. Für das Finanzielle scheint aber zuerst noch Ranft in Prag zuständig zu sein - jedenfalls bezahlt er 1610 die Goldbullen für die Legitimations­urkunden der Brüder. Anscheinend erhalten die beiden Markgrafen ein Deputat aus den Gefallen der Herrschaft Krumau. Als von dort war wegen der kriegerischen Ereignisse im Rahmen des Bruderzwistes in Habsburg nichts mehr zu holen war - Krumau war durch das Passauische Kriegsvolk schwer in Mitleidenschaft gezogen worden - reisten die Benks nach Prag und behoben von Ranft für die beiden Mark­grafen einmal 100 Taler und einmal 1 000 Taler. Die 1 000 Taler hat sich Ranft vom Kammerdiener Kaspar Rutzky geborgt, dem er das Geld wieder zurückzahlen mußte. Ranft sollte das Geld vom Hof erstattet bekommen - doch da ist, wie er schreibt, das Unglück mit Kaiser Matthias passiert und das Deputat für beide Markgrafen eingestellt worden. Von Kaiser Matthias hat Ranft das Darlehen nicht zurückbekommen, sodaß er sich später an die beiden Markgrafen selbst wenden mußte.’16 Am 20. Jänner 1612 ist Rudolf II. in Prag ohne Testament gestorben. Don Mat- * 312 313 314 315 316 3,1 HKA, HF, r. Nr. 130, 1608 Mrz 5. 312 HHStA, Hausarchiv, FamA, Karton 84, fol. 55. 313 HKA, HZAB 61, fol. 547. 314 Briefe und Acten : Bd. 6, S. 263, Anm. 4. 315 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 31, Stück 67 und 144. 316 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 59-77. 48

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