Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. thias hat wohl einige Kleinodien geerbt - er verkauft sie im Venezianerkrieg317 - aber eine Herrschaft, wie etwa Krumau, als standesgemäßen Lebensunterhalt be­sitzt er nicht. Wer nun für die Versorgung der rudolfinischen Kinder aufkommen sollte, ist unklar. Am 14. Juli 1612 schreibt Erzherzog Ferdinand diesbezüglich an Erzherzog Albert: Eur L. ist unverborgen, daß die nächst verstorbene Rom. ks. Mj und L. zween ledige Söhne Don Matthias und Don Carolo hinter sein verlassen, und dieselbige neben der Legitimation mit dem Titel Markgrafen des Hl. Rom. Reichs begabet worden. Diese beede Ihre Söhne seien von Ihrer Mjt. und L. vor 3 Jahren alhero ad Studia geschickt und beineben mir bestermaßen recommendieret und daß ich sie in mein Protection auf und annehmen wollte, in Gnaden und vetterlichem Vertrauen angelangt worden. Dann ich auch solch Ihr Mjt. Ansuchen, sowohl aus schuldigem Gehorsam, als daß ich die beiden Jungen, einer guten Natur, auch mit sehr adeligen Sitten und tugendsa- men Wandel begabt zu sein, in mehreren verspürt und dahero mir die wohlgetröste Hoffnung gemacht habe, daß sie in diesem ruhmwierdigen Leben und Wandel auferzo­gen und bis zu ihrem männlichen Alter verharren werden. Inmaßen sie dessen bishero nit geringe Anzeigungen scheinen lassen, daß sie dem gemeinen Wesen mittler Zeit nit übel anstehen und demselben in mehrweg fürständig und ersprießlich sein werden. De- rohalben ich dann um so viel mehr Anneigung zu Ihnen, auch Ursach gefaßt habe, mich ihrer ferner in Gnaden und zu dem Ende anzunehmen, damit sie nit verlassen, noch an ihrem lobwürdigen Fümehmen und bereits bei ihren erscheinenden guter Veranlassung gehindert oder abgehalten werden. Und weil sie dann auf christliches Ableiben mehr höchstermelter Ihrer Ks. Mj. sich in dem betrübten Waisenstand befinden und noch dieser Zeit hülflos sein, als haben sie ihre Zuflucht bei mir gesucht und mich in Untertänigkeit gebeten, sie sowohl gegen derselben jetzigen Röm. Ks. Mj. als Euer L. und Erzherzog Maximiliani L. dahin ge­horsam, freund-, vetter- und brüderlich zu verschreiben, ob sie bei künftiger Tailung durch gemein Bewilligung der Herrn Interessierten mit einer gewissen und bestimmten Erhaltung und Peculio bedacht werden. Ferdinand befürwortet die Bitte der beiden und ersucht auch Erzherzog Albert in diesem Sinne zu wirken.318 Der antwortet am 24. August aus Brüssel: [...] wir haben, was Sie wegen [...] Don Matthias und Don Caroli an uns interceden­do gelangen lassen [...] vernommen und ist uns lieb, daß sich [...] baide Gebrüder an- gedeuttermaßen tugend- und ritterlich verhalten, werden also forther sich zu qualificim befleissen, und was [...] wir [...] denselben [...] prästim werden khönnen, dartzu erklä­ren wir uns berait.319 Erzherzog Albrecht hat den Sohn seines Bruders dann in der Folge tatsächlich nach Kräften gefördert. Zunächst aber kommt der Kaiser für den Unterhalt seiner Neffen auf. Der Hofmeister Benk hatte namens seiner Schützlinge um eine regel­mäßige Einnahme angesucht320 und der Kaiser hatte für ihre Hofnotdurften zunächst einmal 3 000 Taler aus den böhmischen Biergefallen bewilligt.321 Die Hofkammer teilt Benk mit, daß für einen regelmäßigen Unterhalt derzeit keine Mittel vorhan­317 HKA, HF, r. Nr. 177, 1619 Jän 15, fol. 1-12. 318 HHStA. Belgische Hofkorrespondenz, Karton 31, Stück 67. 319 HHStA, Belgische Hofkorrespondenz, Karton 41, Stück 18. 320 HKA, HF, r. Nr. 147, 1612 Dez 22, fol. 1 321 HKA, RA 100B, fol. 160. 49

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