Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper desgemäß heiraten kann. Der Obersthofmeister Trautson bewilligt ihm ein Trinkge­schirr im Wert von 50 Gulden.227 * Der Ehe entspringen die Kinder Karl und Oktavi- an.22lt Die uneheliche Tochter Anna Maria geht um 1592 eine Liaison mit Kaiser Rudolf II. ein, die bis 1602 oder 1603 dauern229 wird. Ihr entspringen die Kinder Matthias und Karl. Ottavio wird dadurch gewissermaßen der Schwiegervater des Kaisers. Gesundheitlich dürfte es ihm in reiferen Jahren nicht sehr gut gegangen sein, denn am 25. Februar 1605 - im Alter von 55 Jahren - macht er in Prag sein Testa­ment. Es zeigt, daß er sehr wohlhabend ist. Die legitimen Söhne Karl und Oktavian erben 7 000 Gulden, die Ehefrau Barbara 1 500 Gulden, die Nichte Felicitas Lut­zenburger, die Tochter seiner Schwester Lavinia, erbt 1 000 Taler. Die uneheliche Tochter Anna Maria, Ex-Geliebte des Kaisers, soll 1 000 Taler erben. Dem unehe­lichen Sohn Tobias vermacht er ganze 30 Gulden.230 231 Ein Jahr später, im Jänner 1606 hat er dann das Zeitliche gesegnet. Die Witwe will ein Gnadengeld für sich und die zwei minderjährigen Söhne, weil ihr Gatte 30 Jahre lang als Antiquarius und Hofdiener treu gedient hat. Sie wird zunächst zur Geduld gewiesen und erst im August 1609 erhält sie seinen Soldrest bis inkl. Jän­ner 1606.2,1 Sein Sohn Oktavian hat sich in Frankreich niedergelassen und erhielt 1629 ein Privilegium auf seine Erfindung der Metallschmelzung mittels Steinkohle232, d. h. der Erfindergeist vererbte sich in der Familie weiter. Interessanterweise ist aus diesem Jahr auch seine Korrespondenz mit seinem Schwager Christoph Ranft dem Alteren erhalten.233 4. 1.3. Anna Maria Ranft. 1579-1629 Sie ist eine uneheliche Tochter des Ottavio da Strada und der Maria Anna Hof­meister und wurde im Februar 1579 geboren.234 Ihr Vater ließ sie später legitimie­ren235 236 und nach ihm nennt sie sich eine eingeborene Strada von Rosberg, Bürgerin zu Rom.1,(1 Bei ihrem Vater wohl hat sie der Kaiser das erste Mal gesehen und seit etwa 1592 hat die damals Dreizehnjährige den Kaiser für mehrere Jahre an sich zu 227 HKA, FamA, S 404. 224 HHStA, OMaA, Karton 624, fol. 54-55. 229 Turba : Habsburger, S. 337. 230 HHStA, OMaA, Karton 624, fol. 54 f. 231 HKA, FamA, S 404 fol 3f; HZAB Für 1609, fol. 105r; HF-Prot 599, fol. 38v. 232 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis, Fasz. I, Konv. 10, fol. 40 f., 104 f. 233 Ebenda, fol. 80-87. 234 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis, Fz. 1/Konv. 10, fol. 80-87. 235 HHStA, OMaA, Karton 624, fol. 54 f. 236 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 58. 36

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