Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. 3. Mittels Nachschlüssel hat er meine Geldtruhe in Frankfurt geplündert. 5. Hat er nach dem Ableben seiner Mutter deren Schmuck verkauft und das Geld vertan. 6. Er hat kostbares Papier aus meiner Kunstkammer gestohlen und verkauft. 7. Er hat kostbare heidnische Medaillen gestohlen und schändlich Verpartiret. 8. Er hat eine kostbare Uhr, die mir vom Herzog von Bayern verehrt, gestohlen. 9. Er hat in Prag meine Unterschrift gefälscht und so 160 Gulden erschlichen. 11. Er hat mein schönes Pferd, das mir der Erzherzog Ernst verehrt hat, verdorben, meinen treuen Diener verwundet und geschwächt. 12. hat er sich zuwider alle menschliche Vernunft meine Concubinam zu beschlafen underfangen, und da er seinen besten Willen mit ihr vollbracht, sie endlich in der Kindbeth entleibt. 13. Hat er mich als Vater stets verleugnet. 14. Hat er gedroht, mich, meinen Sohn Paul und die Dienerin zu ermorden. 15. Hat er Risse von mir drucken lassen und zu seinem Vorteil verkauft. Diese hier vorgebrachten schweren Anschuldigungen dürften zumindest stark übertrieben gewesen sein. Hilda Lietzmann hat nachgewiesen, daß einige der Vor­würfe ganz zu Unrecht erhoben wurden. Vater und Sohn haben sich später jeden­falls wieder versöhnt und 1588 ist der Vater in Prag, im Haus des Sohnes gestor­ben.220 Beruflich war Ottavio vermutlich noch erfolgreicher als sein Vater. Zu Ende des Jahres 1581 wurde sein Sold auf 20 Gulden monatlich verdoppelt221, 1597 stieg dieser auf 30 Gulden222 und seit 1602 bekommt er gar 40 Gulden monatlich. Dazu kommen zahlreiche „Verehrungen“, von denen allerdings nur einige überliefert sind, so etwa 1583 für ein Historienbuch eine von 50 Gulden und 1584 für zwei mit der Hand gerissene Bücher eine Verehrung von 80 Gulden.223 1598 gibt es weitere Gnadenbeweise: Rudolf II. bestätigt Ottavio und seinen ehelichen Leibeserben sein altes Wappen und den Adelsstand von 1574 und mehrt das väterliche Wappen noch durch dasjenige seiner Mutter Ottilia Schenk von Rosberg.224 Ein Jahr später wird das Wappen noch etwas gebessert.225 Ottavios Privatleben ähnelt dem seines Vaters, auch er hat mehrere eheliche und uneheliche Kinder. Aus einer Beziehung zu einer Marianne Hofmeister entspringt 1579 eine Tochter Anna Maria226; die Mutter eines unehelichen Sohnes Tobias ist nicht bekannt. 1583, am 29. Juni, heiratet er in Prag die Witwe des Dr. Adam, na­mens Barbara von Luxenburg. Zuvor bittet er um eine Gnadengabe, damit er stan­22,1 Lietzmann: Jacopo Strada, S. 393 f. 221 HKA, HZAB für 1582, fol. 182. 222 HKA, HZAB für 1597, fol. 124. 223 HKA, HZAB für 1602, fol. 108, HZAB für 1583, fol. 439 und HZAB für 1584, fol. 455. 224 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis, Fz. 1, Konv. 10, fol. 45-54. 225 HHStA, Reichskanzlei, Taxbücher, Siegelbuch 1576-1599 (ehern. ÖNB 7694), fol. 438r. 226 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis, Fz. 1, Konv. 10, fol. 80-87. 35

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