Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper werden auf seine Bitte hin seine unehelichen Söhne Tobia, 5 Jahre alt und Martin, 2 Jahre alt (gestorben zwischen 1582 und 1584) vom Kaiser legitimiert.213 1584, nach schwerer Krankheit, verfaßt er sein Testament und vier Jahre später, im Jahr 1588, stirbt er in Prag bei seinem Sohn Ottavio, mit dem er sich noch aus­gesöhnt haben dürfte. Begraben ist er in der St. Nikolauskirche der Kleinseite.214 4. 1.2. Ottavio da Strada. 1550-1606 Bürger zu Rom, Kaiserlicher Majestät Hofdiener und Antiquarius. Ottavio wurde 1550 als zweiter Sohn von Jacopo da Strada und der Ottilie Schenk von Rosberg geboren. 1569 begleitet er einen kaiserlichen Gesandten in die Türkei und erlernt die türkische Sprache. Wie sein Vater befaßt er sich mit griechi­schen und lateinischen Codices.215 216 Er scheint zunächst für den geistlichen Stand bestimmt - zumindest will ihm Rudolf II. 1576 ein Kanonikat verschaffen. Er schreibt an die Domkapitel Passau und Regensburg: Jacob Strada, unseres Herrn Vaters [...] Antiquarius, hat das Ansuchen getan, daß sein Sohn Octavius Strada durch unsere [...] Intercession, das nächste freiwerdende Kanonikat in Passau oder Regensburg erhalten möge [,..]214 Dazu scheint es aber nicht gekommen zu sein, denn ab 1. Februar 1577 wird Ot­tavio Hofdiener mit monatlich 10 Gulden.217 Er folgt Rudolf II. nach Prag und wird wegen seiner großen Kenntnisse, seiner umfassenden Bildung und enger Beziehung zum Kaiser dessen Antiquar und Leiter der Sammlungen.218 Ottavio da Strada hatte auch die besondere Aufgabe für den Kaiser Enbleme zu entwerfen und lateinische Sinnsprüche zu verfassen; außerdem beriet er die Künstler in mythologischen und archäologischen Fragen. Mit seinem Vater versteht er sich nicht —dieser stellt ihm 1584 in seinem Testa­ment ein denkbar schlechtes Zeugnis aus:219 Meinem Sohn Octavio [...] legier ich doch zu allem Überfluß 50 fl rh [...] obwohl seine gegen mich vorgenommene Verbrechen unzählig, wie er mich täglich, ja augen­blicklich beleidigt. 1. Bei der Einrichtung meiner Buchdruckerei hat er mindestens 500 Taler gestoh­len - er hat die Verehrungen der Fürsten und Kurfürsten in Empfang genommen und für sich behalten. 2. Bei Verwandten hat er heimlich Geld aufgenommen, das ich zurückzahlen mußte. 213 HHStA, RHR. Promotionales, Fz. 6, Konv. Strada. fol. 1-3. 214 Lietzmann: Jacopo Strada, S.394. 215 Festschrift des Kunsthistorischen Museums in Wien 1891-1941. 2 Bde, Wien 1945, hier Bd. 2/1, S. 290. 216 HHStA, FamA, Karton 99. 217 HKA, HZAB für 1577, fol. 252. 218 D v ors k y : Kunst am Hofe Rudolf II., S. 242. 219 HHStA, OLM A S 132. 34

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