Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. Jacopos Gattin Ottilie starb 157420' und danach Jbatte er mit seiner Dienerin Mar­garethe Himmer aus Marienberg in Meissen zwei Söhne und eine Tochter Sicilia. Die Dienerin und Mutter seiner Kinder Margarete Himmer soll den kümmerlichen Betrag von jährlich 6 Gulden, die Tochter Sicilia bei ihrer Großjährigkeit ganze 100 Gulden erben, der legitimierte Sohn Tobia soll Immobilien, Bücher und Manu­skripte bekommen. Finanziell geht es Jacopo da Strada in Wien zunächst sehr gut. 1560 ist er schon so wohlhabend, daß er in der Wiener Schenkenstraße das Freihaus „die Herren von Prag“ kaufen kann* 204 - er läßt es abreissen und stellt an seiner Stelle einen „palazzo“ hin, nach Aussage des Herzogs von Mantua das schönste Renaissance- Haus („all'italiana“) von Wien-es sollte ihn 12 000 Taler gekostet haben.205 Das entspricht etwa dem 50fachen seines Jahresgehalts. Notar und Richter von Mantua hatten bestätigt, daß Johann Rainald, der Vater Jacopos, Mantuaner Cives von edler Geburt war und ein Wappen führte. Das Wappen zeigt in der oberen Hälfte einen schwarzen Adler auf Goldgrund, in der unteren Hälfte drei schräge schwarze Bal­ken auf rotem Grund.206 Die edle Abstammung war Voraussetzung für den Kauf eines Freihauses - ein Haus das von der lästigen Quartierspflicht befreit war. Das Haus diente ihm als „Musaeum von Antiquitäten und Kunstwerken“ und zur Be­herbergung illustrer Gäste, deren Namen er in einem „Stammbuch“ verewigen ließ. Auch für Pangöth (= Bankette) und Tanz vermietete er es. 1577 hat er sein Haus in Wien dem Pfalzgrafen bei Rhein zur Verfügung gestellt und erhält dafür vom Hof­zahlamt 50 Gulden.207 Als Rudolf II. nach Prag übersiedelte - und mit ihm der kai­serliche Hof- stellte sich das Haus als eine Fehlinvestition heraus.208 In seinen letzten Lebensjahren will Strada das große Haus verkaufen - wir finden wir ihn in seinem kleinen Haus in der Vorstadt Sankt Ulrich.209 Er erhielt eine Reihe von kaiserlichen Gnaden: 1569 bekommt er für die Hoch­zeit seiner Tochter zur Verbesserung ihrer Aussteuer 50 Gulden.210 Am 27. Dezem­ber 1574 erhebt ihn Maximilian II. in den Adelsstand.2" 1576 erhält er vom Kaiser zwei Empfehlungsbriefe, je einen an das Domkapitel Passau und Regensburg, da­mit sein Sohn Ottavio dort das erste freiwerdende Kanonikat erhalte.212 Etwa 1582 201 Lietzmann: Jacopo Strada, S. 377. 204 HKA, Hofquartiersbuch [in Hinkunft: HQB] 7, Nr. 512 und HQB 6, Nr. 518. 205 Lietzmann : Jacopo Strada, S. 378. 206 HHStA, RHR, Promotionales, Fz 4, Konv. Strada, föl. I 8. 207 HKA, HZAB 1577, fol. 561. 208 J an sen: Instruments, S. 191. 209 HKA, FamA, S 404, fol. 7 f. 210 HKA, FamA, S 404, fol. 5 f. 211 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis 1/10, fol. 55-64. 212 HHStA, RHR, Promotionales, Fz. 6, Konv. Strada. 33

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