Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper für den Kaiser 6 Bücher an.192 1576 stirbt sein Gönner Maximilian II. Kaiser Rudolf II. favorisiert zwar den Sohn Ottavio da Strada, holt aber auch den Vater nach Prag und betraut ihn mit verschiedenen Aufgaben - so entstehen unter anderem eine Reihe von Entwürfen für Automaten und technische Spielzeuge.193 1577 wird seine Besoldung auf 400 Gulden festgesetzt.194 Jacopo ist dann aber nur gelegentlich in Prag, erhält kaum Aufträge und wird am 15. Jänner 1579 entlassen.195 Aus seinen ausständigen Soldzahlungen erfahren wir genauere Daten. Sein jährliches Zubußgeld von 100 Gulden hat er bis zum 30. Juni 1576 erhalten. Entlassen wurde er am 15. Jänner 1579, also stehen ihm noch 255 Gulden Besoldung zu. Für etliche Bücher, die er Kaiser Maximilian II. übergeben hat, ist man ihm noch 300 Gulden schuldig. Außerdem hat er noch seine Baumeisteramtsbesoldung von 200 fl ausständig und zwar seit Ende 1574, d. h. bis zum 15. Jänner 1579 sind das 805 Gulden.196 Soweit sein beruflicher Werdegang. Sein Privatleben ist erfüllt mit Streit. Um 1544197 heiratet er Ottilie Schenk von Rosberg aus Franken, Erbfräulein und letzte ihres Geschlechts.19* Mit ihr hat er vier Kinder, mit denen er sich sehr schlecht verstand. Eine Tochter Anna ist 1584 schon tot, die andere Tochter Lavinia, verheiratet mit Ferdinand Lützelburger, wird von ihm so gut wie enterbt, desgleichen der jüngere Sohn Ottavio. Dieser begabte Sohn, mit den gleichen Interessen wie der Vater wird in dem Testament für ewige Zeiten als Dieb und Wüstling angeprangert.199 Haupterbe wird der Sohn Paolo.2“ Dieser wurde 1549 geboren und später zur Ausbildung mit dem Gesandten Karel Rijin nach Konstantinopel gesandt, wo er drei Jahre blieb, um türkisch und arabisch zu lernen. Anschließend wird er Kammerherr bei Erzherzog Ernst.201 202 Der Erzherzog hat ihm ein Deputat ausgesetzt, von dem ihm 1586 noch 80 Gulden gebühren.2"2 Zuletzt finden wir ihn im geistlichen Stand. 192 Kühnei, Harry: Die landesfürstlichen Baumeister der Wiener Hofburg von 1494-1569. In: Mitteilungen der Kommission für Burgenforschung 10 (1960), S. 297-325, hier S. 319. 193 E v a n s : Ohnmacht, S. 128. 1,24 HKA, FamA, S 404, fol. 9. 195 Li etzman n : Neugebäude, S. I lOf. 196 HKA, FamA, S 404, fol. 7 f. und 10. 197 Lietzmann: Jacopo Strada, S. 377. 194 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis 1/10, fol. 55-64. 199 HHStA, Oberstlandmarschallamt [in Hinkunft: OLMA], Testamente S 132 und ebenda, Oberstmarschallamt [in Hinkunft OMaA], Karton 624, fol. 54 f. und ÖNB, HS 8709. 200 ÖNB, HS 8709. 201 Jansen: Instruments, S. 192 und S. 194. 202 HKA, Gedenkbuch [in Hinkunft: GB] 147, fol. 534 f. 32