Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. Wirkliches Interesse erweckte Stradas Werk über die Numismatik bei Maxi­milian II., der selbst Numismatiker war und ein Werk über die habsburgischen Sammlungen herausbringen wollte. Er engagiert Strada 1564 als „Diener und Anti­quarius“ und gewährt ihm dafür vom Hofzahlamt zusätzlich 100 Gulden jährlich Dienstgeld, damit er sich bei Hof desto besser erhalten möge'*', sodaß er auf 300 Gulden kommt (Arcimboldo bekam nur 240 Gulden). Bei diesem Gehalt handelt es sich um ein „Wartegeld“, d. h. jede von ihm abgelieferte Arbeit wird dann extra belohnt. So kann er ganz gut verdienen. Dazu kam das Ansehen, das man als Hof­künstler genoß und das einem weitere, zahlende Kunden brachte. Sehr wertvoll für Strada war auch, daß er zum Kaiser leicht Zugang hatte. So wurde er ein gesuchter Fürsprecher - so ist vermutlich das berühmte Portrait, das Tizian von ihm malte, ein Dank für einen vermittelten Auftrag. Strada hatte ihn nicht nur seinem Herrn, sondern auch dem Herzog von Bayern empfohlen. Auch im damals florierenden Kunsthandel dürfte Strada recht gut verdient haben.181 182 Ende 1566 erhält er 150 Gulden für eine Reise zum Herzog Albrecht V. von Bayern183, der sich Strada vom Kaiser „ausborgt“. Zwischen 1567 und 1569 reist er für ihn zu Einkäufen dreimal nach Italien184 und entwirft ihm für seine Antiken­sammlung das Antiquarium.185 Nach Wien zurückgekehrt zeichnet er für Maximilian II. die Pläne für das Schloß Neugebäude - mit italienischen und französischen Einflüssen, die er auf seinen Reisen erhalten hatte.186 1569/70 tätigt er weitere Einkaufsreisen nach Italien. Da­nach veröffentlicht er in Wien eine Sammlung von Inschriften und ein polyglottes Wörterbuch (11 Sprachen).187 1572 erhält er an Baumeisteramts-Besoldung 641 Gulden188 189, ab 1573 eine jährliche Zubuße von 100 Gulden.186 1574 werden ihm für 12 Kopßilder und ein Brustbild 810 Gulden bezahlt.190 1574 erhält er ein im- pressorium ad decennium für „II settimo libro d’Architectura“191 und 1575 fertigt er 181 HKA, HZAB für 1566, fol. 121, für 1567 fol. 177 f., für 1568, fol. 173. 182 Jansen: Instruments, S. 188. 183 HKA, HZAB 1566, fol. 576. 184 Lietzmann, Hilda: Rezension von E. Weski und H. Frosien-Leinz: Das Antiquarium der Münchner Residenz. München 1987. In: Kunstchronik 41 (1988), S. 615. 185 Lietzmann : Neugebäude, S. 1 lOf. 186 Lietzmann: Jacopo Strada, S. 379. 182 Lietzmann : Neugebäude, S. 110 f. 188 HKA, FamA, S 404, fol. 9. 189 HKA, HZAB für 1576, fol. 154. 190 HKA, HZAB 1574, fol. 476. 191 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis, Karton 1/10, fol. 65-68. 31

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