Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEBENSAFT, Elisabeth – MENTSCHL, Christoph: Vom Service de Prestation zur Alien Labour Company. Ein Beitrag österreichischer Flüchtlinge im Kampf gegen NS-Deutschland, dargestellt nach britischen Quellen

VOM SERVICE DE PRESTATION ZUR ALIEN LABOUR COMPANY Ein Beitrag österreichischer Flüchtlinge im Kampf gegen NS-Deutschland, dargestellt nach britischen Quellen1 von Elisabeth Lebensaft und Christoph Mentschl Am 10. April 1940, einen Monat vor dem Angriff des nationalsozialistischen Deutschland auf Belgien, die Niederlande und Frankreich, wurde von den beiden verbündeten Mächten Großbritannien und Frankreich nach längeren Verhandlungen ein Abkommen in Kraft gesetzt, das die Transferierung sogenannter Prestataires, die unter dem Befehl der französischen Militärbehörden standen, in die Dienste der britischen Streitkräfte regeln sollte. Diese „Arbeitssoldaten“ sollten dazu beitragen, den Arbeitskräftemangel, der den Aufbau einer militärischen Infrastruktur für die seit Kriegsbeginn in Frankreich stationierte British Expeditionary Force (B.E.F.) hemmte, etwas abzubauen. Obwohl es sich dabei im Verhältnis zum veranschlagten Gesamtbedarf für das Jahr 1940, der mit circa 100 000 Mann beziffert wurde2, nur um eine relativ geringe Zahl an Hilfs­kräften, nämlich nicht mehr als ein paar tausend, handelte, sollen dieses Abkommen, seine Vorgeschichte und seine Folgen einer näheren Betrachtung unterzogen wer­den, befanden sich unter diesen „Prestataires“3 doch auch und vor allem österreichi­sche und deutsche Flüchtlinge aus dem Dritten Reich4. 1 Die vorliegende Untersuchung versteht sich als Versuch, zur Aufhellung eines bisher wenig beachteten Aspekts der Exilforschung beizutragen, und stützt sich - da die französischen Archive langen Sperrfristen unterliegen (vgl. dazu die Beiträge in Archivum, Bd. 28. München-London-Paris 1982, S. 186-211, bes. S. 192 f., und Ebenda, Bd. 40. München-London-Paris 1995, S. 200-203) - vorwiegend auf Mate­rialien aus dem Public Record Office, London-Kew, Großbritannien (im Folgenden zitiert als PRO), und zwar auf Bestände des Foreign Office [FO] und des War Office [WO]. Der Archivaufenthalt wurde durch das wissenschaftliche Austauschprogramm der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ermöglicht, der dafür an dieser Stelle gedankt werden soll. Der Dank der Autoren gilt auch Dr. Johannes Seidl für Durchsicht des Manuskripts, zielfuhrende Hinweise und übersetzerische Hilfestellungen. 2 Zu den verschiedenen Schätzungen bezüglich der shortage of labour vgl. Anm. 66 dieser Arbeit. 3 Vgl. Enzyklopädie des Nationalsozialismus, hrsg. von Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß. Stuttgart 1997, S. 654: „... in Frankreich lebende Ausländer, die ab Februar 1940 zu Arbeitsdiensten herangezogen wurden“. 4 Da bei der vorliegenden Studie primär die Perspektive der Exilanten berücksichtigt werden soll, werden militärische Aspekte im Folgenden nur untergeordnet behandelt. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 89

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