Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen sam mit den Jesuiten, ja zum Teil auch stellvertretend für diese, verfolgt, doch soll­ten sie gerade aus diesen Jahren Kraft genug schöpfen, um, zumindest regional, die ideologische Basis auch für militärischen Widerstand gegen die Französische Revo­lution bilden zu können, die innerkirchlichen Auseinandersetzungen zumindest nicht zu verlieren und somit die Spiritualität des 19. Jahrhunderts wesenhaft mitzu­prägen. Anna Coreth weist zu Beginn des ziemlich exakt die Zeispanne von 1699 bis 1799 umfassenden Werkes darauf hin, daß ungeachtet einer reichen Herz-Jesu-Mystik des Mittelalters mit den Visionen der später heiliggesprochenen Salesianerin Margueri- te-Marie Alacoque aus dem burgundischen Kloster Paray-le-Monial insofern eine Zäsur eintrat, als (ab 1674), den Verheißungen und Prophezeiungen der heiligen Nonne zur Folge, die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu nun nicht mehr nur von einzelnen in „kontemplativer Verborgenheit“, sondern von der ge­samten Menschheit gefordert wurde. Von Anfang an war es der Jesuitenorden, der die gezielte Verbreitung dieser Botschaft betrieb. Immerhin sollte es noch ein Vier­teljahrhundert dauern, bis die neue Andacht, wohl über die Druckwerke des Bene­diktiners Thadäus Schwaller (erschienen Einsiedeln 1695) und des Jesuiten und Münchener Hofpredigers Bernhard Sonnenberg (erschienen München 1695) in Österreich etabliert werden konnte. Die Wiener Herz-Jesu-Bruderschaft wurde 1699 bei den Ursulinen - die Salesianerinnen gab es erst ab 1717 in Wien - auf Initiative der 1680 geborenen Kaisertochter Erzherzogin Elisabeth gegründet; es folgten ein­schlägige Ansuchen der Klarissenklöster in Laibach und Olmütz, 1704 der Kapuzi- nerinnen in Bregenz, der Klagenfurter und Innsbrucker Ursulinen 1705, der Salz­burger Ursulinen im Jahr darauf. Interessanterweise sollte das nach Pfingsten gefei­erte Fest des Heiligsten Herzen Jesu aber erst 1765 allgemein gestattet werden: Kai­ser und Papst verhielten sich lange Jahre reserviert, ersterer (und seine Nachfolger) wohl aus dem politischen Kalkül heraus, den französischen Kultureinfluß möglichst unter Kontrolle zu halten. Die Verfasserin verweist hier auf die gezielte Förderung des Herz-Jesu-Kultes in Frankreich durch Königin Maria Leszczynska. Die römische Reserviertheit - trotz massiver Förderung durch die Jesuiten - vor dem Erstarken des jansenistischen Einflusses kann nicht recht erklärt werden, doch scheint sie nichts mit der österreichischen Entwicklung zu tun zu haben und im rein theologischen Bereich angesiedelt zu sein. In der Folge widmet sich Anna Coreth der regionalen Entwicklung der Bruder­schaften vor allem in Wien, aber auch in den anderen genannten österreichischen Zentren und setzt sich hiebei kritisch mit der schon rein quantitativ verschieden gewichteten Quellenlage auseinander. Bei den Wiener Ursulinen etwa fehlt die Klo­sterchronik und das Matrikelbuch der Gründungszeit der Bruderschaft, auch das sogenannte „Bruderschaftsbüchl“ steht vollständig erst in späterer Auflage zur Ver­fügung. Immerhin geht daraus u.a. das sicherlich unveränderte Programm der Bru­derschaft - „hitzige und starke Neigung“ zum liebenden Herzen Jesu, die zu verrich­tende Ehrerbietung vor einem Herz-Jesu-Bild auf dem Altar, aber auch in den Woh­nungen der Mitglieder und die Begehung des Festes am Freitag nach der Fronleich­547

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