Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen namsoktav - hervor. Von diesem Dokument ausgehend, bringt uns die Autorin li­turgisch-spirituelle Details der Bruderschaft und besonders auch deren Wandel nä- her-dem allgemeinen Trend der Zeit entsprechend wurde das Kommunizieren zu­nächst noch spärlicher praktiziert - und verweist auf den Umstand, daß man sich schon programmatisch mit einem Minimum äußerer Organisation begnügte und keine Satzungen aufstellte, da die „einzige Regel in der treuen Liebe zum Göttlichen Herzen“ bestand. Ein weiteres Kapitel ist der Verbreitung der Cor-Jesu-Verehrung durch die Litera­tur gewidmet: Wiewohl die erste gedruckte Predigt für die Wiener Bruderschaft erst für 1735 vorliegt, stammen die ersten Nachrichten von den Visionen der heiligen Marguerite-Marie bereits von ihrem Beichtvater P. Claude de la Colombiére (posthum erschienen Lyon 1684), dann von P. Jean Croiset (Lyon 1691). Im deut­schen Sprachraum zählen außer den oben genannten der Dekan von Biberach Anto­nius Ginther, der Pfarrer von Sarmenstorff Michael Leonti Eberlein und vor allem der Wiener Hoiprediger P. Franz Xaver Brean zu den Proponenten der Herz-Jesu- Verehmng; deren Popularität ist schon aus der Tatsache ersichtlich, daß allein das einschlägige Werk des 1753 verstorbenen Jesuiten Joseph Waldner noch 1788 in 7. Auflage erschien - sechs Jahre, nachdem das letzte feierliche Herz-Jesu-Fest in Wien stattgefunden hatte und fünf Jahre nach Aufhebung der Bruderschaft (die ebenfalls lebensnah von der Autorin geschildert wird). Dennoch, so stellt Anna Coreth an anderer Stelle in Bezug auf die Bruderschaft fest, war zu diesem Zeitpunkt „ihr Hauptziel, die Feier des Cor-Jesu-Festes und damit die Einkirchlichung der Verehrung mit der päpstlichen Bewilligung von 1765 bereits weitgehend erreicht“: Die Bruderschaft trat einen Rückzug in die Privatwoh­nungen der Mitglieder an, wo sie der Arm des Staatskirchentums weder erreichen konnte, noch - von fanatischen Kreisen um die „Wienerische Kirchenzeitung“ abge­sehen - erreichen wollte. Mit dem Tod Josephs II. und vor allem der Radikalisierung des Spätjansenismus in den 1790er Jahren ging auch eine kirchliche Rückbesinnung Hand in Hand. Eine Vorromantik schien der späteren Wirksamkeit eines Clemens Maria Holbauer den Weg zu bereiten. Mit der Bulle „Auctorem Fidei“ verurteilte Pius VI. 1794 die jansenistischen Angriffe gegen den Cor-Jesu-Kult in gebotener Ausführlichkeit, sodaß dessen Anhänger rehabilitiert aus den Auseinandersetzungen hervorgingen. Als im gleichen Jahr der neu berufene Brixener Bischof Karl Franz von Lodron die Cor-Jesu-Verehrung in Tirol wieder gestattete, so geschah dies gerade noch rechtzeitig, um sich diese gegen die französischen Revolutionsarmeen dienstbar zu machen: Bei Bedrohung des Landes durch Bonaparte’s Armee von Süden her leiste­ten am 1. Juni 1796 die Tiroler Landstände „zum Schutz und zur Rettung des Vater­landes“ ein Gelöbnis an das Heiligste Herz Jesu. Dieses Gelöbnis wurde immer wie­der erneuert, nicht zuletzt von Andreas Hofer am 29. Mai 1809 in der Innsbrucker Jesuitenkirche. Anna Coreth endet mit einem Ausblick in das 19. und 20. Jahrhundert und läßt im Anhang zeitgenössische Autoren zu Wort kommen. Mit ihrem Beitrag hat sie ein 548

Next

/
Thumbnails
Contents