Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Cohen, Gary B.: Education and Middle-Class Society in Imperial Austria 1848-1918. Prudue University Press: West Lafayette 1996. XXI u. 386 S., 9 Diagramme („figures“), 26 Tab., 2 Pläne. Basierend auf Quellenbeständen, die heute in österreichischen und tschechischen Archiven lagern, hat Cohen - Professor für Geschichte und Direktor internationaler akademischer Programme an der University of Oklahoma - diese Studie erstellt. Es handelt sich hierbei um die erste englischsprachige Studie, die sich mit der Bil- dungs- und Gesellschaftsentwicklung sowie deren Interdependenzen in den letzten Jahrzehnten der Habsburgermonarchie beschäftigt. Der Titel allerdings ist in gewis­ser Weise irreführend. Denn Cohen ist es eigentlich nur um die-seit 1867- österreichische Reichshälfte zu tun, und nicht einmal hier immer um die gesamte. Im Zentrum seiner Betrachtung stehen nämlich die Alpenländer - mithin ein gut Teil des heutigen Österreichs - und die Länder der böhmischen Krone. Die Länder der Stephanskrone sind aus der Betrachtung völlig ausgespart, und ein gleiches gilt auch für das Kondominium Bosnien-Herzegowina. Die Beschränkung auf die Alpenländer und auf das Gebiet des heutigen Tsche­chien im wesentlichen argumentiert Cohen mit dem hohen Grad an Verstädterung, der vergleichsweise weit vorangeschrittenen Entwicklung einer Mittelklassegesell­schaft sowie mit dem Umstand, daß die böhmischen und die Alpenländer in vielerlei Hinsicht als wirtschaftliche und soziale Einheit aufzufassen sind. Trotz dieser Einschränkung auf nur einen Teil des Habsburgerreiches verdient Co­hens Studie zweifellos Aufmerksamkeit und Interesse. Dies allein schon deshalb, weil ihr Ansatz als historisch-sozialwissenschaftlich zu charakterisieren ist und sie allein infolgedessen manch Neues, Überlegenswertes - zumindest aber Diskussions­würdiges - bietet. Vieles was Cohen ausführt, belegt er auch mit Statistiken in Form von Zahlenta­bellen oder Diagrammen, und in einem Anhang bietet er Einblick in die Anwendung der statistischen Methoden. Mag man den von Cohen gebotenen Statistiken gegen­über punkto ihrer absoluten Exaktheit auch kritisch eingestellt sein, so bleibt ihnen doch unbenommen, daß sie nachvollziehbare Tendenzen dokumentieren und somit Interpretationsansätze liefern. Kommen wir damit zu einigen der Ergebnisse von Cohens Studie: Cohen stellt an­hand des existenten Zahlenmaterials fest, daß der Zustrom zum sekundären und tertiären Bildungssektor in Österreich insgesamt betrachtet in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutsam zunahm und daß dies vor allem der Mittelklasse bzw. den Mittelklassen zugute kam. Verglichen mit der in Deutschland und in Westeuro­pa lag man damit im Trend der Zeit. Ein gleiches gilt auch für die Ausbildungsmög­lichkeiten, die - entsprechend den neuen, differenzierten Anforderungen - eine Vervielfältigung erfuhren. Die Entwicklungsschübe, die das Sekundär- und Hochschulwesen seit den 1850er Jahren erfuhr, sind für Cohen bedingt durch die ökonomische Entwicklung, wobei Cohen gleichsam Parallen zwischen der Entwicklung des Bildungswesens und dem 520

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