Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen 18. Jahrhundert“ (S. 81-91). Der hervorragende Österreichkenner Press differenziert bei seinem Forschungsbericht daher auch zwischen der österreichischen Geschichts­schreibung vor 1918 und der Republik nach 1918. Seine richtige Bemerkung, daß „die Neigungen der Historiker zu allen Zeiten von den Vorstellungen und Wünschen der eigenen Lebenswelt geleitet“ sind, paßt daher auch hervorragend auf die enge - und wahrscheinlich bewußt provokative-Sichtweise Schmidts in seiner Einleitung. Vielmehr ist es die richtige Beobachtung von Volker Press, daß „die traditionell strikte Trennung zwischen Landes- und allgemeiner Reichsgeschichte“ deren Er­gebnisse für eine „Gesamtschau des Reiches in den jeweils unterschiedlichen Epo­chen fruchtbar gemacht werden“ (S. 53). Daß hier die österreichische Geschichtsfor­schung - aufgrund ihrer stark zeitgeschichtlich ausgerichteten Kapazitäten-nicht viel mehr leisten kann als die sächsische oder schwäbische - mit dem übrigens her­vorragenden Franz Quarthai - ist wohl leicht nachvollziehbar. Volker Press - dem Meister der knappen, treffenden Formulierung - gelingen in seinem Beitrag wichtige Charakterisierungen, die von der österreichischen Forschung unbedingt rezipiert werden müssen. „Die Kaiser führten im Westen für das Reich, im Osten das Reich mit ihnen und für sie Krieg - die Gewinne lagen im Osten, die Verluste im Westen, die Gewinne waren die des Kaisers, die Verluste die des Reiches - eine erneute Ge­wichtsverschiebung zugunsten der Erblande“(S. 58, 77 u.ö.). Die Schilderung der ambivalenten Stellung der „österreichischen“ Gebiete bedingt durch die Teilungen (S. 61 f u.ö.), die Charakterisierung des kleinen Hofapparates bei der Wiener Reichshofkanzlei (S. 65 f.) und schließlich die interessante Sicht des Endes der kai­serlichen Reichspolitik (S. 76 f.) unterstreichen nur die Meisterhaftigkeit der knap­pen Darstellung. Karl Otmar Freiherr von Aretin läßt Österreich zwischen 1715 und 1733 aus dem Reich herauswachsen (S. 88). Folgt man seiner Schlußfolgerung, daß die „Türken­kriege Vorrang vor der Sicherung der Westgrenze des Reiches“ hatten und dadurch der „Ablösungsprozeß Österreichs vom Reich in Gang“ kam, wird sich die neuer­dings aus deutscher Sicht verstärkt verbreitete These, daß Österreich vor 1648 nicht existent war, kaum halten lassen. Spätestens nach 1564 muß hier wohl ein Ein­schnitt gesehen werden. Der Band besticht durch seine hervorragenden Beiträge, er besticht aber auch da­durch, daß er über die Rolle Österreichs und die doch oft einseitige Darstellung und Sicht der österreichischen Forschung zum Nachdenken anregt. Ein größeres Kom­pliment kann man dem Herausgeber wohl nicht machen. Günther R. Burkert-Dottolo, Wien 519

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