Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

für Europäische Geschichte Mainz, Abteilung Universalgeschichte. Beiheft 29). 302 S. Das renommierte Mainzer Institut hat mit dieser Publikation auf die „Forschungskonjunktur“ reagiert, die das Heilige Römische Reich deutscher Nation seit einiger Zeit erlebt. 15 Neuzeithistoriker widmen sich aus verschiedenen Zugän­gen der „Zwischenbilanz“ und gaben einen „Überblick der laufenden Forschungen zur Geschichte des Alten Reiches“ (Vorwort). Neben zahlreichen Überblicksstudien, die von Hersche „Zur Charakteristik des Geistlichen Staates im Alten Reich“ (133— 149), von Christopher R.Friedrichs zur „Politik und Sozialstruktur in der deutschen Stadt des 17. Jahrhunderts“ und von Filippo Ranieri zu den „Juristen im Alten Reich des 17. und 18. Jahrhunderts“ (231-244), zu den Juden (211-222), dem spätkapita­listischen Kreditsystem (201-210) und dem adeligen Landleben im 16. Jahrhundert (245-264) vorgelegt wurden, gibt es einige interessante Regionalstudien zu Emden, zur oberdeutschen Geschichte, Wien, Hessen, der Wettauer Kuriatstimme und Nie­derrhein-Westfalen. Bei den großen Überblicksbeiträgen fällt auf, daß österreichische Historiker nicht vertreten sind. Könnte man dies zuerst als Zufall betrachten, wird bei näherem Stu­dium der Konzeption ein offensichtlich beabsichtigtes Negieren der Österreicher daraus. Georg Schmidt schreibt nämlich in seiner Einleitung, daß „in Österreich eine mehr oder weniger deutliche Beschränkung auf das heutige Staatsgebiet zu verzeichnen“ sei (S. 1). Diese weiters nicht begründete Behauptung kann nicht als generelle Entschuldigung für die Ignoranz österreichischer Forschung gelten. Auch wenn inzwischen die österreichische Geschichtsforschung das Kapitel der „Neuschaffung“ Österreichs nach 1945 mit einer eigenen Geschichte bis in das 9. Jahrhundert selbst diskutiert hat - von manchen mißverständlich als „Nestbe­schmutzung“ verurteilt -, zeugt es nicht von sehr hoher politischer Sensibilität, wenn Schmidt die österreichische politische Geschichte der Ersten und Zweiten Republik bei seiner wissenschaftstheoretischen Auseinandersetzung außer Acht läßt. Deutsches Reich und das „Reich“ haben im politischen Kontext der österreichischen Entwicklung eine andere Konnotation als in der Rezeption der Deutschen Geschich­te. Betrachtet man nur Erich Zöllners ausgewogenes Hervorheben des österreichi­schen Teils der gemeinsamen Geschichte, Alfred Kohlers umfassende Forschungen oder Grete Walter-Klingensteins Beiträge zu gemeinsamen Fragestellungen, so las­sen allein diese wenigen Beispiele einen derart pauschalen Vorwurf der regionali- sierten österreichischen Geschichtsbetrachtung nicht zu. Unkenntnis vorhandener Literatur sollte nicht zu provokanten Klischees verleiten. Aus österreichischer Sicht steht daher nicht so sehr der ausgezeichnete Beitrag von Horst Dreitzel „Ständestaat und Absolute Monarchie in der politischen Theorie des Reiches in der Frühen Neuzeit“ (S. 19-50) im Mittelpunkt des Interesses, sondern es sind die beiden Überblicksdarstellungen des leider viel zu früh verstorbenen Volker Press „Die kaiserliche Stellung im Reich“(S. 51-80) und Karl Otmar von Aretins „Das Heilige Römische Reich im Konzert der europäischen Mächte im 17. und Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen 518

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