Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien
Die österreichische Neutralität von 1807-1809 Erzherzog Karl trat für eine Verständigung mit Frankreich ein, da ein allein geführter neuer Krieg mit Napoleon das Todesurteil für Österreich bedeutet hätte und eine Koalition aller europäischen Mächte nicht zustande kam. Dem Drängen Napoleons zu einem Bündnis wich man ebenso aus wie den Anträgen Preußens. Eine von Österreich im September 1806 in Böhmen aufgestellte „Neutralitätsarmee“, deren Zweck es war, „die strengste Neutralität gegen die zum Krieg sich rüstenden Mächte zu behaupten“ und „die Erbstaaten vor jedem Ein- oder Durchmarsch fremder Truppen zu schützen“, mußte auf Druck Napoleons im November wieder aufgelöst werden.3 Übrig blieb ein Kordon, der von Galizien entlang der österreichisch-preußischen Grenze zum Nordwestzipfel Böhmens und entlang der böhmischen Westgrenze bis zum Dreiländereck Böhmen/Oberösterreich/Bayem führte und einen verstärkten Grenzschutz darstellte.4 Der Krieg ließ nicht lange auf sich warten. Am 6. Oktober erklärte Frankreich Preußen den Krieg, worauf am 9. Preußen seinerseits Frankreich den Krieg erklärte, aber schon fünf Tage später in der Schlacht bei Jena und Auerstädt vernichtend geschlagen wurde. Napoleon zog am 27. Oktober in Berlin ein, die preußische Armee zog sich an die Weichsel zurück, im November war Napoleon in Posen. Der Preußenkönig war nach Ostpreußen geflohen. Napoleon verkündete, die ganze preußische Monarchie sei in seiner Gewalt und hatte damit nicht so unrecht, denn bis auf 15 000 Mann Kriegsmacht und einige Festungen in Schlesien und an der Ostsee hatte die preußische Monarchie zu bestehen aufgehört. In Wien hatten sich der russische Abgesandte Charles André Pozzo di Borgo (ein gebürtiger Korse) und der preußische Gesandte in Wien Karl Wilhelm Graf Finkenstein vergeblich bemüht, Österreich zur Teilnahme am Krieg zu bewegen. Preußische Aufstandspläne Einige preußische Offiziere dachten darüber nach, wie man den Franzosenkaiser durch eine Erhebung im Rücken der Armee niederringen könne. August Wilhelm Anton Neithardt von Gneisenau, der früher in ansbachischen und bayreuthischen Diensten gedient hatte, sprach sich für eine Volksbewaffnung und einen Aufstand gemeinsam mit Rußland, Schweden und England aus. Graf Friedrich von Pückler wollte mit verabschiedeten Soldaten, Revier- und Leibjägem Niederschlesien in Verteidigungsbereitschaft versetzen. Ein im Dezember in Hessen ausgebrochener Aufstand stachelte die preußischen Patrioten weiter an. Ferdinand von Schill, der so manche „Husarenstücke“ lieferte, dachte an einen Aufstand in Pommern und erhielt vom König von Preußen die Genehmigung zur Aufstellung eines Freikorps. Von 3 Criste: Erzherzog Carl, Bd. 2, S. 420; Österreichisches Staatsarchiv, Wien, Kriegsarchiv (in Hinkunft: KA), Alte Feldakten (in Hinkunft: AFA), Kt. 1374, 1806/10/2; Kt. 1378, 1807/3/6. 4 KA, AFA, Kt. 1374, 1806/11/12. 313