Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien
Friedrich Wilhelm Schembor Hänlein rief mit anfeuernden Proklamationen zu einem Aufstand in Ansbach und Bayreuth auf.5 Es war die Zeit der Aufstandspläne und Denkschriften. Vieles, was da gesagt und geschrieben wurde, war aber unausgegoren. Da die geordnete Heeresmacht versagt hatte, wollte man Napoleon mit flächendeckenden Aufständen zu Leibe rücken, was aber bei den damals fehlenden Kommunikationsmitteln eine Unmöglichkeit war. Lage in Preußisch-Schlesien Die französische Armee hatte bei ihrem Vormarsch an die Weichsel Preußisch- Schlesien links liegen gelassen. Napoleon beauftragte seinen Bruder Jérőme, Schlesien mit Hilfe der Bayern und Württemberger zu erobern. Der schlesische Provinzchef Graf von Hoym wollte das Land kampflos übergeben und flüchtete nach Oberschlesien, wo er untertauchte. Der preußische König ernannte am 21. November 1806 den Obersten Fürst Ferdinand zu Anhalt-Pleß zum interimistischen Generalgouverneur von ganz Schlesien und gab ihm Friedrich Wilhelm Graf Götzen zu seiner Assistenz bei. Da Götzen dem König geschrieben hatte, daß man österreichischerseits nur den Ausbruch des Krieges erwarte, um daran teilzunehmen, erhielt er im Dezember den Auftrag, mit einem Schreiben des Königs nach Wien zu gehen, um Österreich zur Teilnahme am Krieg zu gewinnen, wobei Preußen als Pfand die schlesischen Festungen durch österreichische Truppen besetzen lassen wollte. Wien aber wollte Frankreich nicht reizen, lehnte den Besuch Götzens ab und schickte lediglich einen General zu Götzen an die österreichisch-preußische Grenze.6 Der englische Hof unterstützte Preußen finanziell massiv, so daß der englische Gesandte Robert Adair dem schlesischen Heer bis zu 500 000 Taler zur Verfügung stellen durfte.7 Um die schlesischen Festungen stand es aber schlecht. Anfang Dezember 1806 ergab sich die Festung Glogau, am 5. Jänner 1807 kapitulierte Breslau, am 16. Jänner ergab sich die Festung Brieg und am 8. Feber kapitulierte die Festung Schweidnitz. Das flache Land war von der napoleonischen Heeresmacht besetzt und die letzten preußischen Krieger hatten sich in jene schlesischen Festungen zurückgezogen, die an den Abhängen der Bergkämme situiert waren, die die Grenze zwischen Preußen und Österreich bildeten. Am 6. Jänner 1807 äußerte Götzen den „heißen Wunsch“, seine Freunde Gentz und Eichler in Glatz oder Umgebung zu treffen. Der Schriftsteller Friedrich Gentz war 1802 in österreichische Staatsdienste getreten und war später engster Mitarbeiter 5 Zu dieser Thematik vergleiche L i o n n e t, Albert: Die Erhebungspläne preußischer Patrioten Ende 1806 und Frühjahr 1807. Berlin 1914; Veltze, Alois (Hrsg.): Das Kriegsjahr 1809 in Einzeldarstellungen. Bd. 8: Bartsch, Rudolf: Die Schill’sehen Offiziere. Wien-Leipzig 1909. 6 Fournier, August: Historische Studien und Skizzen. 2. Reihe, Wien-Leipzig 1908, S. 129-132; Wiese und Kaiserswaldau, Hugo von: Friedrich Wilhelm von Goetzen, Schlesiens Held in der Franzosenzeit 1806 bis 1807. Berlin 1902, S. 91-93. 7 Adair, Robert: Geschichtliche Denkschrift einer Sendung an den Wiener Hof im Jahre 1806. Berlin 1846, S. 157. 314