Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
LILLA, Joachim: Die Bevollmächtigten für den Nahverkehr (Nbv) und ihre nachgeordneten Dienststellen in Österreich 1938 bis 1945
Joachim Lilla minister Ende September 1939 an, daß von der jeweiligen NSKK-Motorgruppe zu benennende Verbindungsführer zu den Bevollmächtigten für den Nahverkehr und den Fahrbereitschaftsleitern zu treten haben, weil das NSKK „mit seiner weitverzweigten Gliederung und der fachlichen Vorbildung seiner Führer und Männer in der Lage [sei], die Arbeit der Bevollmächtigten für den Nahverkehr (Nbv) zu unterstützen“107. Am 22. Februar 1940 ernannte Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring als Beauftragter für den Vierjahresplan den Korpsftihrer des NSKK, Reichsleiter Adolf Hühnlein108, zu seinem Beauftragten für den motorisierten Transport in der Kriegswirtschaft109. Hühnlein habe ihm „unmittelbar über seine Beobachtungen auf dem Gebiete des Transportwesens“ zu berichten und „geeignete Vorschläge“ zu machen. Jeder Reichsbahndirektion und jedem Nbv (hier „Nahbeauftragte für den Güterverkehr“ genannt) wurden vom Korpsftihrer ernannte und ihm unmittelbar unterstehende Verbindungsführer beigegeben. Außerdem sollten Neubesetzungen bei Bevollmächtigten für den Nahverkehr und Fahrbereitschaftsleitern erst „nach Anhörung des Korpsführers“ vorgenommen werden110. Auf dieser Grundlage erließ Korpsführer Hühnlein bereits am 26. Februar vorläufige Richtlinien für die Verbindungsführer zu den Fahrbereitschaftsleitern111. Durch die restriktive Handhabung von Genehmigungen für den Güterfernverkehr auf der Straße sollte dieser verstärkt mit der Eisenbahn oder auf dem Wasserweg durchgeführt werden. Um die Koordinierung der Verkehrsträger Kraftverkehr, Eisenbahn und Schiffahrt zu verbessern, errichtete der Reichsverkehrsminister im Herbst 1940 eine „schlagkräftige Gliederung der Verkehrsverwaltung“: für die Reichsebene eine Hauptverkehrsleitung, in der Mittelinstanz drei Gebietsverkehrsleitungen (GVL Ost in Berlin, GVL Süd in München, GVL West in Essen) und für Bezirke, die den Reichsbahndirektionen entsprachen, insgesamt 31 Bezirksverkehrsleitungen112. Für die Straßenverkehrsverwaltung gehörten den Gebietsverkehrsleitungen die Nbv Berlin, München und Düsseldorf und den Bezirksverkehrsleitungen der Motorstürme unterteilt waren. In Österreich bestand die Motorobergruppe Südost (mit den Motorgruppen Ostmark und Alpenland). 107 RdErl des RVM vom 30. September 1939, RL/K. 9 7354/39, ThürHSTA RSTH 271, Bl. 20. 108 Adolf Hühnlein (12. September 1881 - 18. Juni 1942), Major a. D., 1931 Führer des NSKK, 1933 SA- Obergruppenführer und Chef des Kraftfahrwesens der SA, Dezember 1934 Korpsftihrer des NSKK, 1937 Generalmajor, 1938 Reichsleiter der NSDAP, vgl. V o 1 z S. 59, 61, und Nachruf in Rheinische Landeszeitung Nr. 167, 19. Juni 1942. Nachfolger Hühnleins als Korpsftihrer wurde am 23. Juni 1942 der bisherige NSKK-Obergruppenfiihrer Erwin Kraus (geb. 1894), vgl. ebd. Nr. 172, 24. Juni 1942. 109 Beauftragter für den Vierjahresplan an NSKK-Korpsfiihrer Hühnlein, 5. Februar 1940, BA-P R 5/9311, Bl. 317. Nach Absolon Bd. V, S. 7 hatte Hühnlein hiernach „alle im motorisierten Transportwesen der Kriegswirtschaft verfügbaren Kräfte zusammen[zu]fassen und ihre Einsatzfahigkeit [zu] erhöhen. Ihm oblag die gesamte Gasgeneratorenausbildung und -Umschulung.“ 110 RdErl des RVM an die Nbv vom 17. Februar 1940, BA-P R 5/9311, Bl. 316. „Bei der Neubesetzung von Fahrbereitschaftsleitem ist der Verbindungsführer des NSKK zu hören. Besteht zwischen Ihnen und dem Verbindungsführer des NSKK keine Übereinstimmung über die ausgewählte Persönlichkeit, so ist mir unter Darlegung der Gründe zu berichten.“ 111 Der Korpsführer des NSKK an die Führer der Motorgruppen und der Motorbrigade Bayer. Ostmark, 26. Februar 1940, BA-P R 5/9311, Bl. 345 - 348. 112 Organisation der Verkehrsleitung, RdErl des RVM vom 23. September und vom 8. November 1940, RVkBl. 1940 B, S. 276 und 333. 170