Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEBENSAFT, Elisabeth – MENTSCHL, Christoph: Vom Service de Prestation zur Alien Labour Company. Ein Beitrag österreichischer Flüchtlinge im Kampf gegen NS-Deutschland, dargestellt nach britischen Quellen

Vom Service de Prestation zur Alien Labour Company Feuchtwanger auf sehr anschauliche Art in seinem Erinnerungsbuch „Der Teufel in Frankreich“ (ursprünglicher Titel „Unholdes Frankreich“) literarisch verarbeitet wurden10 11. Diese Internierungen, von denen ca. 22 000 bis 23 000 männliche Deutsche und Österreicher“ betroffen waren, dauerten in der Regel einige Wochen, bis sogenannte Criblage- (oder Triage-) Kommissionen12, die auf regionaler Ebene aufgestellt wur­den und denen unter anderem Vertreter des Präfekten des Departements und des kommandierenden Generals der Region angehörten13, mit der Inspektion der Lager begannen, um die dort Festgehaltenen nach verschiedenen Kriterien zu separieren. In der Folge wurde im Oktober 1939 eine interministerielle Criblage-Kommission, bestehend aus Vertretern des Außen- und Innenministeriums, des Generalstabs sowie dem Direktor der Sűreté Nationale14, installiert, die für die Aufstellung genereller Regeln und die Behandlung von specific cases (wie es die Engländer bezeichneten) zuständig war15. Als Resultat dieser Aktivitäten wurde - zumindest nach offizieller französischer Darstellung - ein großer Teil der Internierten wieder ab Dezember 1939 wieder auf freien Fuß gesetzt16, für jene ca. 8 000 bis 9 00017, die in den Lagern bleiben mußten, boten sich im Dezember 1939 folgende Alternativen an18: 10 Das erstmals 1942 erschienene Buch, dem, genau genommen, die zweite Internierung Feuchtwangers im Lager Les Milles ab Mai 1940 zugrunde liegt, gehört „zu den eindrucksvollsten Erlebnisberichten des Exils, die Tage der Inhaftierung stehen beispielhaft für die Rechtlosigkeit, Verwirrung und Demütigung der bereits aus ihrem Heimatland Verbannten“ - vgl. Jaretzky, Reinhold: Lion Feuchtwanger mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg 1984, S. 84. 11 Diese Zahlen sind Unterlagen aus dem PRO entnommen und basieren teilweise auf amtlichen französi­schen Angaben. Vgl. PRO, FO 371/24306, S. 164: „German and other Refugees in France“, 17. 4. 1940. Dabei wird von einer Gesamtzahl von 50 000 bis 60 000 deutschen (und österreichischen) Flüchtlingen, die zu Kriegsbeginn noch in Frankreich verblieben waren, ausgegangen. Ein an die Briten übergebenes französisches Memorandum gibt allerdings die Zahl von 18 000 deutschen Internierten an-ebenda, S. 73: „Notes pour le Service de Londres sur le Traitement des Allemands Internes [sic!] en France“, un­datiert [vermutlich Februar 1940], Es ist davon auszugehen, daß unter dem Begriff „Deutsche“ zu diesem Zeitpunkt natürlich auch die Österreicher subsumiert sind. 12 Die folgende Darstellung der Tätigkeit dieser Kommissionen geht im wesentlichen auf folgende im PRO aufgefundene, aus dem Aktenbestand des Foreign Office stammende Quellen zurück: PRO, FO 371/24306, S. 26 f.: „Memorandum concerning the internment of German aliens in France“, undatiert [vor 5. 1. 1940]; ebenda, S. 72 f.: „Note pour le Service de Londres sur le Traitement des Allemands Internes en France“, undatiert; ebenda, S. 84: „Internment of German aliens in France“, undatiert; ebenda, S. 164: „German and other Refugees in France“, 17.4. 1940. 13 Ebenda, S. 164: „German and other Refugees in France“, 17. 4. 1940. 14 Die Zusammensetzung dieser Kommission nach ebenda, S. 165: „German and other Refugees in Fran­ce“, 17. 4. 1940; dort allerdings wird nur die Bezeichnung „Central Commission in Paris“ verwendet. 15 Ebenda, S. 84: „Internment of German aliens in France“, undatiert, sowie ebenda, S. 26: „Memorandum concerning the internment of German aliens in France“, undatiert [vor 5. 1. 1940]. 16 Ebenda, S. 26: „Memorandum concerning the internment of German aliens in France“, undatiert [vor 5. 1. 1940]. Schramm - Vormeier: Gurs, S. 227. 17 Ebenda, S. 73: „Notes pour le Service de Londres sur le Traitement des Allemands Internes en France“, undatiert [vermutlich Februar 1940], nach anderen Angaben waren es 10 000 (ebenda, S. 165: „German and other Refugees in France“, 17. 4. 1940). 18 Eine andere zeitlich Abfolge läßt sich aufgrund des Memorandums CarTS rekonstruieren (ebenda, S. 164 f.: „German and other Refugees in France“, 17. 4. 1940), der angibt, daß bereits die regionalen Criblage-Kommissionen die Internierten zu Fremdenlegion bzw. Prestataires-Dienst einteilen konnten. An­91

Next

/
Thumbnails
Contents