Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997
reits in London bestehenden Missionen der anderen auf dem Boden der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie entstandenen Nationalstaaten ... bilden ...“los Glücklicherweise wurde die Gesandtschaft in London von Anfang an mit einem Konzeptsbeamten ausgestattet, und am 12. August 1920 traf Legationssekretär Adolf Kunz in London einl0<i. Erster Gesandter der Republik Österreich war Georg Franckenstein, der schon vom 1. November 1912 bis zur Abreise der k. u. k. Diplomaten am 17. August 1914 als Legationsrat II. Klasse und Kommerzkanzleidirektor an der k. u. k. Botschaft London tätig gewesen war. Am 2. August 1920 ernannt, traf Franckenstein am 14. August 1920 in London ein; sein Gehalt belief sich auf 2 330 LSt. einschließlich einem Ortszuschlag von 100 % je 2 200 Kronen und 1 000 LSt. Repräsentation107. Sein in deutscher Sprache verfaßtes Beglaubigungungs- schreiben zeigt schon den Unterschied zur Praxis der k. u. k. Diplomatie: Karl Seitz, Präsident der Nationalversammlung der Republik Österreich, an Seine des Königs des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland und der überseeischen britischen Lande, Kaisers von Indien, Majestät! Von dem Wunsche geleitet, die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Britischen Reiche und der Republik Österreich ehestens aufzunehmen und sorgfältig zu pflegen, habe ich geglaubt, den bisherigen Legationsrat I. Klasse Herrn Georg Franckenstein als ao. Gesandten und bev. Minister der österreichischen Republik bei Eurer Majestät beglaubigen zu sollen ...108 Die Gesandtschaft der Republik Österreich nahm am 18. August 1920 ihren Dienstbetrieb auf - paradoxerweise der 90. Geburtstag von Kaiser Franz Josef... In seinen Memoiren109 erinnert sich Franckenstein: As the smooth stream of traffic bore me back to Belgrave Square, memories flocked back. The doors were opened for me by the faithful Bateman and Hoy, the English servants we left behind us in 1914, and it was with deep emotion that I took possession of the house where so many distinguished ambassadors, and my father before me, had lived and worked. From the walls of the staircase I was greeted by the large handsome portraits of Maria Theresia, The Emperor Joseph, the Emperor Leopold, the Emperor Francis and the Emperor Francis Joseph. This historical atmosphere of 18, Belgrave Square I was careful to preserve; it formed the background of my reconstructive work. Franckenstein widmete sich sofort dem Zustand des Gesandtschaftspalais. Schon am 20. August 1920 berichtete er110, es sei „unerläßlich, die schadhaften, stückweise Von Chandos House zum Beigrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815-1997 AdR Wien, BMfAA, Gesandtschaftsarchiv [GA] London, Karton 112, Österreichisches Staatsamt für Äußeres an kgl. schwedische Gesandtschaft London vom 8. 5. 1920. Adolf Karl Kunz, * Wien 23. 5. 1885, t Wien 26. 11. 1969; MdÄ 1909, Konsularattaché Hamburg 1909-1910, am Generalkonsulat Shanghai 1910-1917, MdÄ 1918, Konsulat Köln 1919, Konsul in Dortmund 1919, Zentrale 1920, Legationssekretär an der Gesandtschaft in London 1920-1925, Zentrale 1925-1928, Legationsrat und Geschäftsträger in Bern 1928, Legationsrat Ges. Budapest 1928-1937, Legationsrat an der Gesandtschaft London 1937-1938; 1938 Liquidation der ehern, österr. Gesandtschaft; 25. 3. 1938 in deutschen auswärtigen Dienst übernommen. Nach Eheschließung mit Esther Waidegrave (Tochter von Lord Radstock) weiterhin an der deutschen Botschaft London tätig; 9.5. 1939 Versetzung in den Wartestand, vorübergehende Beschäftigung an Londoner Zweigstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Blieb nach Kriegsausbruch in London; 4. 9. 1939 aus dem Beamtenverhältnis und am 11. 6. 1942 aus der Reichsbürgerschaft entlassen. Zuletzt wohnhaft als Legationsrat i. R. in Wien XIII, Gehlengasse 40. AdR Wien, BMfAA, NAR, Fach 6, Mission London, fol. 1086. Ebenda, fol. 1089. Franckenstein, George: Facts and Features of my Life. London 1939, S.220. 31