Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997

Rudolf Agstner schon herunterfallende Facade des Gesandtschaftspalais ehestens herrichten und streichen zu lassen. Verschiedene Engländer haben mir schon Bemerkungen über ihren gräßlichen Zustand gemacht Im September richtete Franckenstein einen Hilferuf nach Wien So sehr ich mir auch die Notwendigkeit des Sparens vor Augen halte, so sind gewisse Auslagen leider unumgänglich, um mir die Möglichkeit zu geben, meine Mission ent­sprechend durchzuführen. Entweder gelingt es mir, Hilfe für Österreich zu erwirken, dann sind auch etwas höhere Auslagen vollauf gerechtfertigt, sonst ist es überhaupt scha­de um das Geld, das die Gesandtschaft kostet, wenngleich es unerläßlich war, eine solche hier auf alle Fälle zu errichten. Ich halte es für sehr wichtig, Politiker, Männer der City und maßgebliche Journalisten zu mir zu Tische zu laden und möchte damit so bald als möglich anfangen. Hiezu brauche ich unbedingt den Salon (morning room) im Parterre, und das anschließende Speisezimmer. Beide Räume sind unendlich schmutzig und müs­sen unbedingt gereinigt werden. Im Sinne der s. Z. mündlich im Staatsamt für Äußeres getroffenen Verabredung habe ich diese Arbeiten in Angriff nehmen lassen ... Die Eß­zimmer-Einrichtung dürfte noch gehen, obwohl sie ziemlich hergenommen ist. Die Möbe­lüberzüge der Garnituren in dem Salon sind dermaßen von Pomade durchtränkt, abge­nützt und durch die Kinder des Oberleutnants Lundblad, der die österreichisch­ungarische Sektion der schwedischen Gesandtschaft betreute, zerrissen, daß eine Repara­tur ausgeschlossen ist. Die Möbelstoffe unter diesen Überzügen wurden schon während der Botschaftszeit des Grafen Deym abgenützt, und daher dann mit Überzügen be­deckt ... Franckenstein beantragte daher 64 LSt. 5 sh. für Überzugsstoffe; später stimmte dann die Farbe nicht, da diese „eine schreiende Dissonanz hervorrufen“, worauf ein teurerer Stoff um 81 Lst. 2 sh. 6 p. gekauft wurde ... Nachdem der Besitz des Palais Österreich im Juli 1920 erhalten blieb, war nun die Aufteilung des Mobiliars mit Ungarn zu regeln. Zum ungarischen Wunsch nach Teilung des Botschaftsmobiliars im 1907 zwischen Österreich und Ungarn festgeleg­ten Verhältnis von 63,4 % zu 36,6 % vermeinte Gesandter Franckenstein112, daß „das hiesige Palais, außer in den Festräumen (Salon und Empfangssaal), niemals über­reichlich möbliert war. Sowohl Botschafter Mensdorff als sein Vorgänger hatten zur unbedingt nötigen Ergänzung des Mobiliars in den Wohnräumen aus eigenem Besit­ze erhebliche Zuschüsse vornehmen müssen und auch ich werde den größten Teil meiner Möbel im Hause verwenden ...“ Franckenstein lehnte daher eine Teilung ab und schlug vor, Ungarn das „in einem vollkommen trockenen Teile des Gesandt­schaftsgebäudes sicher aufgehobene ... sehr reichliche Inventar der ehemaligen Generalkonsulate in London und Liverpool“ bei Verzicht auf den Österreich zuste­henden Anteil von 63,4 % zu überlassen. Die ungarische Seite scheint hiermit nicht einverstanden gewesen zu sein. Öster­reich blieb jedenfalls im Besitz des Inventars der ehemaligen k. u. k. Botschaft. Als im Sommer 1923 die ungarische Gesandtschaft angewiesen wurde, „die Aufteilung der Einrichtung der gewesen k. u. k. österreichisch-ungarischen Botschaft und Kon­sulate in Großbritannien im Einvernehmen mit der österreichischen Gesandtschaft AdR Wien, BMfAA, NAR, Fach 6, London ZI. 237/A vom 20. 8. 1920. Ebenda, London ZI. 647/A vom 10. 9. 1920, fol. 783. Ebenda, London ZI. 274/A vom 23. 8. 1920. 32

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