Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

EDEL, Andreas: Johann Baptist Weber (1526–1584). Zum Lebensweg eines gelehrten Juristen und Spitzenbeamten im 16. Jahrhundert

Andreas Edel konnte Weber auf ein umfangreiches Erbe hoffen. Doch verstarb Sybilla 1555 vor ihrer Mutter, so daß der aus ihrer Ehe mit Weber stammende Sohn Johann Baptist d. M. erst nach dem Ableben seiner Großmutter 1566 in den Besitz des mütterlichen Erbes gelangen konnte44 *. II Über Johann Baptist Webers Jugend weiß man nichts genaues. Die Angabe seines Zeitgenossen Heinrich Pantaleon, daß Weber „prima artium et linguarum fundamen­ta foeliciter in patria iecissef‘43, könnte darauf hinweisen, daß er die Grundausbil­dung in den Humaniora, die für Söhne akademisch gebildeter und wohlhabender Stadtbürger üblich war, in einer Lateinschule seiner Heimatstadt Memmingen ab­solvierte. Mit knapp 15 Jahren, also in einem für damalige Verhältnisse durchaus nicht zu jungen Alter, ging Weber im November 1541 zum Studium beider Rechte an die Universität Ingolstadt46. Die Entscheidung für die bayerische Hochschule lag schon in der Familientradition begründet - sowohl der Vater als auch sein älterer Bmder Cyriak haben in Ingolstadt Medizin studiert47. Darüber hinaus stammten die Webers aus einer Region, die traditionell in engen Beziehungen zu den wittelsbachischen bzw. habsburgischen Höfen in München, Landshut, Innsbruck und Wien stand48, und waren mit dem kaiserloyalen katholischen Patriziat der Reichsstadt Augsburg fami­liär eng verbunden, so daß sich schon von daher aussichtsreiche Optionen auf eine Karriere im Dienst des bayerischen Herzogs bzw. des Kaisers oder seines Bruders König Ferdinand eröffneten, wenn man sich durch ein Studium an der bayerischen Landesuniversität dafür qualifizierte. Dem entsprechend waren viele Studenten aus dem Donauschwäbischen und insbesondere auch aus den führenden Familien Augs­burgs gemeinsam mit Weber in Ingolstadt immatrikuliert49. Es ist letztlich nicht ganz auszuschließen, daß es auch konfessionelle Gründe gewesen sein könnten, die den Vater bewogen hatten, Weber auf eine ,katholische4 Hochschule zu schicken. Allerdings waren dort auch Söhne evangelischer Familien immatrikuliert, wie über­dies viele Studenten im Laufe ihrer Ausbildung auch an Universitäten in protestanti­schen Landesherrschaften wechselten, etwa nach Tübingen, wo namhafte Professo­Vgl. StdA Augsburg, Reichsstädtisches Steuerbuch 1575, fol. 103, zu den Regelungen bezüglich des Erbes der Großmutter, einer Leibrente für deren unverheiratete Töchter Anna und Susanna bzw. eines bereits 1562 ausgesetzten Legats für deren (Neffen?) David Baumgartner. Pantaleon: Prosopographiae, S. 505. Matrikel Ingolstadt 1/1, Sp. 575 Z. 36, Eintrag von 1541 November 14. Siehe oben S. 114 f Vgl. Press, Volker: Patronat und Klientel im Heiligen Römischen Reich. In: Klientelsysteme im Europa der Frühen Neuzeit, hrsg. von Anton Maczak. München 1988 (Schriften des Historischen Kollegs, Kollo­quien 90), S. 19—46, hier 37 f. Matrikel Ingolstadt VI, Wintersemester 1541 bis Wintersemester 1548, Sp. 570-616. Bereits in früheren Semestern waren Anton und Christoph Rehlinger (551), David Langenmantel (570) Johannes Welser (552) und Hieronymus Fugger (562) immatrikuliert, die vermutlich auch mit Weber studierten. 118

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