Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

STRIMITZER, Birgit: Der k. k. Staatsrat Friedrich Freiherr Binder von Krieglstein, Freund und Sekretarius des Staatskanzlers Kaunitz. Ein Beitrag zur Klientelpolitik der maria-theresianischen Epoche

der Schilderung der Gesandtschaft der Stände der österreichischen Länder zu Karl V. 1519/20 (S. 35-38), an anderen Stellen sind die Ausführungen kaum inhaltsreicher als in einem Handbuch, so beispielsweise bei der Darstellung des Spanischen Erbfolgekrieges (S. 134 f, S. 138). Derartige Unausgewogenheiten sind nur als Zeichen der Konzeptlosigkeit der Autoren zu werten. Auch wird nie die Frage problematisiert, was in ein Buch über „Spanien und Österreich“ über­haupt aufgenommen werden soll; anders formuliert: der Österreichbegriff müßte spätestens in dem Moment einmal erklärt werden, in dem von einer spanischen Gesandtschaft an den Hof des Oberhauptes des Heiligen Römischen Reiches berichtet wird. Manches, was die Autoren schreiben, gehört entweder in ein Buch mit dem Titel „Spanien und das Reich“ oder dementsprechend erklärt, vor allem dann, wenn ein breiteres Publikum angesprochen werden soll. Bei zwei Autoren bedarf es eines größeren Aufwandes an redaktionellen Ar­beiten, um Widersprüche und Wiederholungen zu vermeiden, was leider nicht geschehen ist. Daher wird dann auch dreimal von der Niederringung der Adel­sopposition durch Ferdinand I. berichtet (S. 34, S. 40, S. 50); als dieser Habs­burger im August 1522 nach Wien kam, erhielt er, seitens der Stadt Prunkgefäße als Ehrengeschenk (S. 43), möglicherweise war es auch nur eine goldene Schale (S. 51); etc. etc. Was besonders ärgerlich ist und hart an der Grenze zur wissenschaftlichen Unredlichkeit angesetzt werden muß, ist die Art und Weise, wie die Autoren Arbeiten von Fachkollegen verwenden, ohne an den betreffenden Stellen auf diese zu verweisen. Besonders betroffen sind davon jene wissenschaftlichen Arbeiten, die Wolfram Krömer als österreichischer Koordinator der seit 1980 im Zweijahresrhythmus stattfindenden Spanisch-Österreichischen Symposien her­ausgegeben hat1. Zwei Beispiele mögen zur Illustration genügen. So schreibt Alfred Kohler in einem Artikel: Aufbauend auf den unter den Katholischen Königen begonnenen Zwangseinquartierungen wurde unter Karl V. in Spanien das Recht der Wohnungsbeschlagnahme („regalia de aposentos“) weiter ausgebaut. Hinter dem offen geäußerten Mißfallen der Stadtbewohner Augsburgs gegen die Requi­rierung der Quartiere im Jahre 1530 stand die Abneigung gegen die Unterbringung jener Spanier und Italiener, die im Gefolge des Kaisers nach Augsburg gekommen waren. [...] Das war vor allem eine Folge des Schmalkaldischen Krieges, in dessen Verlauf und Entscheidungen die ca. 8000 spani­schen Soldaten des Kaisers eine zum Teil kriegsentscheidende Rolle spielten [...]. Im protestanti­schen Milieu wurden die Spanier zum Symbol des Landes- und Glaubensfeindes. „Kyrie, die Spani­er sind im Land“, lautet der Refrain eines politischen Liedes aus dem Schmalkaldischen Krieg. Man Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44/1996 - Rezensionen 1 Krömer, Wolfram (Hrsg.): Spanien und Österreich 1800-1850. Akten des Symposions vom 21. bis 26. September 1980. Innsbruck 1982; derselbe (Hrsg.): Spanien und Österreich im Barockzeital­ter. Akten des Dritten Spanisch-Österreichischen Symposions (Kremsmünster, 25. bis 30. September 1983). Innsbruck 1985; derselbe (Hrsg.): Spanien und Österreich in der Renaissance. Akten des Fünften Spanisch-Österreichischen Symposions, 21.-25. September 1987 in Wien. Innsbruck 1989. 399

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