Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

STRIMITZER, Birgit: Der k. k. Staatsrat Friedrich Freiherr Binder von Krieglstein, Freund und Sekretarius des Staatskanzlers Kaunitz. Ein Beitrag zur Klientelpolitik der maria-theresianischen Epoche

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44/1996 - Rezensionen Tegetthoffs taktisches Genie zum Vorschein gelangt, breiter Raum gewidmet, aber auch auf die folgenden Friedensvorbereitungen wird eingegangen. Bei Marinesammlern wie bei Heimatforschern wird vor allem der Annex „Was noch heute an das Seegefecht bei Helgoland, an den Krieg, erinnert“ auf große Gegenliebe stoßen. Auf zwanzig Seiten listet der Autor Gedenkstätten, Graban­lagen und Gebäude auf, welche als stumme steinerne Zeugen von den damaligen Ereignissen berichten. Als besonderes Service für Landratten sei auf den An­hang mit den Erklärungen der seemännischen Begriffe hingewiesen. Dieses Buch stellt ohne Zweifel einen lesenswerten Beitrag zur Marinege­schichte Österreichs, aber auch zu einem wenig beachteten Feldzug dar, der bereits den Weg zu kommenden Auseinandersetzungen - 1866 - weisen sollte. Irmgard Pangerl, Wien Oberacker, Carlos H.: Leopoldine. Habsburgs Kaiserin von Brasilien. Wien-München: Amalthea 1988. 604 S. Oberackers Biographie baut auf einem Glücksfall auf, der nicht zuletzt auf das Unglück seiner Heldin zurückgeht: Die ausführlichen Briefe, die die einsame, obwohl in ihrer Ehe anfangs nicht unglückliche Habsburgerin in die Heimat sandte, an ihre Lieblingsschwester Marie Louise zumal, aber auch an ihren Va­ter. Das allein ergibt - geschickt ausgewertet, wie Oberacker es tut - bereits eine faszinierende Studie über den Kontrast zwischen dem Hofleben diesseits und jenseits des Atlantik. Der Wert des Buches geht darüber jedoch hinaus: Sein Mittelteil bildet die wohl eingehendste - auf Deutsch vorliegende - Schilderung des Prozesses, der auf höchster politischer Ebene zur brasilianischen Unabhän­gigkeit führte. Dieser Prozeß aber trag von seiten Leopoldines eindeutig konter­revolutionäre Züge: Für die Habsburgerin, die sich nichts sehnlicher wünschte als die Rückkehr nach Europa, stellte die mit einer persönlichen Tragik verbun­dene Entscheidung, entgegen der Aufforderung der portugiesischen Cortes in Rio zu bleiben, den Versuch dar, „die Monarchie zum mindesten in Amerika zu retten, vielleicht aber auch, hier einen ersten Widerstandsherd gegen die dem­agogisch-demokratischen Kräfte überhaupt zu bilden“ (294). Unterstützung fand dieser Kurs bei einflußreichen Kreisen in Rio und Sao Paolo, die sich gegen die Demontage der eben erst (1815) von Johann VI. verkündeten Einheit und Gleichrangigkeit des Königreichs Brasilien wendeten; die Nordprovinzen muß­ten hingegen erst mit deutschen Söldnern zu Lande und englischen zur See von portugiesischen Garnisonen gesäubert werden. Pedro selbst hatte hingegen län­gere Zeit geschwankt und anfangs sogar mit den Militärs der portugiesischen Revolutionsregierung ebenso kokettiert wie mit der Frau ihres kommandieren­den Generals. Wie in Mexiko nach dem Plan von Iguala entwickelte allerdings auch in Brasilien die Entwicklung nach der Trennung von Portugal, Pedros „Ruf von Ipiranga“ im Herbst 1822, der in Wirklichkeit vom Ministerrat unter dem Vor­392

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