Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

STRIMITZER, Birgit: Der k. k. Staatsrat Friedrich Freiherr Binder von Krieglstein, Freund und Sekretarius des Staatskanzlers Kaunitz. Ein Beitrag zur Klientelpolitik der maria-theresianischen Epoche

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44/1996 - Rezensionen sitz von Leopoldine bereits vorweggenommen worden war, eine Eigendynamik. Mit der Proklamation des Kaiserreiches Brasilien trennten sich auch die Wege Leopoldines und der Wiener Diplomatie, die den Bruch mit dem aufrührerischen Lissabon bis dahin forciert hatte. Zudem trug Pedros Regierungsstil, zwischen Popularitätshascherei und Willkürgesten schwankend, zur Stabilisierung der Monarchie wenig bei. Just auf der berühmten Reise von Santos nach Sao Paolo, die ihn an den Ufern des Ipiranga vorbeiführte, hatte Pedro auch die Mätresse kennengelernt die als Marquesa von Santos an die Stelle seiner unzähligen Amouren trat, der Kaiserin ihre Stellung bei Hofe streitig machte und zum Sturz ihrer Verbündeten, der Brüder Andrade e Silva beitrug. Unter den Günstlingen Pedros dominierten Europaportugiesen - wenn auch keineswegs aus der Ober­schicht - und die Freimaurerclique, die mit dem „Apostolat“, der Partei der Andrades rivalisierte; die Entfremdung von Brasilien, die schließlich 1831/33 in der Rückkehr Pedros nach Portugal gipfelte, wo er gegen seinen jüngeren Bruder Miguel auf seiten der Liberalen intervenierte, kündigte sich bereits an, als Leo­poldine 1826 starb - nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit ihrem Gatten, übrigens. Die Habsburgerin, die Metternich nie verziehen hatte, wie er ihre Lieblings­schwester auf dem diplomatischen Schachbrett hin- und herschob, erwies sich unter Hintansetzung ihres persönlichen Glücks im Ernstfall dennoch als über­zeugte Verfechterin seiner antirevolutionären Prinzipien - auch wenn sie mit ihrer separatistischen Konterrevolution das Schicksal des Zauberlehrlings erlitt: „Ich bin Deutsche“, schrieb sie in den entscheidenden Monaten an Jósé Boni­facio Andrade e Silva, „was heißen soll, beständig und hartnäckig; und nur wenn ich das Unglück haben sollte, meinen Verstand zu verlieren, werde ich die Grundsätze ändern, mit denen ich immer sehr gut gefahren bin.“ (321). Lothar Hobelt, Wien Oberösterreich April bis Dezember 1945. Ein Dokumen­tarbericht, bearbeitet vom Oberösterreichischen Landesarchiv (mit einer Ergänzung von Siegfried Beer) [Redigiert von Gerhart Marckhgott], Linz: Oberösterreichisches Landesarchiv 1991 (Quellen zur Geschichte Oberösterreichs 2). 239 S. Mit dem vorliegenden Band setzt das Oberösterreichische Landesarchiv die 1987 initiierte Buchreihe „Quellen zur Geschichte Oberösterreichs im 19. und 20. Jahrhundert“ fort. Die Herausgeber haben sich jedoch mittlerweile entschie­den, diese Reihe in Zukunft auch für Veröffentlichungen von Quellen aus frühe­ren Jahrhunderten zu verwenden. Diese Intention findet in der Verkürzung des Reihentitels auf „Quellen zur Geschichte Oberösterreichs“ seinen Ausdruck. Der Rezensent kann bei Lektüre dieser Dokumentation eine gewisse Verwun­derung über ihre Genesis nicht verbergen. Tatsächlich ist sie auf den ersten Blick nicht als Quellenpublikation zu erkennen. Es geht mit Ausnahme des Teils 393

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