Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)
AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914
Rudolf Agstner I. Restaurierung des Hauptstiegenhauses II. Restaurierung der Empfangsräume im 2. Stock III. Herrichtung der Privatappartements des Herrn Botschafters im 1. Stock IV. Herrichtung der neuen Kanzleilokalitäten für die k. u. k. Botschaft und das Konsulat V. Herrichtung sämtlicher Privatwohnungen der Mitglieder der Botschaft und des Konsulates sowie für der Personal und Dienerschaft VI. Legung des elektrischen Leitungsnetzes. Der der vom Minister des Äußeren Goluchowski schließlich bewilligte Gesamtaufwand belief sich auf 88.287 fl.34 Mit diesem Betrag konnte nicht das Auslangen gefunden werden. Als Architekt Petersohn schließlich eine Rechnung über die von ihm durchgeführten Arbeiten in Höhe von 69.248 Rubel 39 Kopeken (entsprach 88.997 fl 93 Kr ) vorlegte, wurde Architekt Bauqué zur Überprüfüng nach St. Petersburg entsandt. Botschafter Liechtenstein konnte in einem Bericht vom 19. April 1898 „nicht verhehlen, daß diese große Mehrforderung (über 11.662 Rubel 39 Kopeken) mich außerordentlich peinlich berührt ... Trotzdem muß ich an das k. u. k. Ministerium mit der Bitte herantreten, diese Mehrforderung akzeptieren ... zu wollen ... daß beinahe die ganze Überschreitung darauf zurückzuführen ist, daß an die früher vom Fürsten Obolensky bewohnte Wohnung im Präliminare gar nicht gedacht wurde, während es sich jetzt herausstellt, daß deren Instandsetzung, bevor ich selbe beziehen konnte, beinahe 10.000 Rubel erforderte ...“ Immerhin aber war Liechtenstein in der Lage zu berichten, daß „die im k. u. k. Botschaftspalais vollführten Arbeiten als äußerst gelungen bezeichnet werden müssen und die k. u. k. Regierung für ihre Vertretung in Petersburg ein in jeder Beziehung würdiges und entsprechendes Objekt besitzt Im Botschaftspalais befand sich auch eine „früher dem irvingianischen Kulte geweihten Kapelle“. Botschafter Liechtenstein ließ diese auf eigene Kosten „in äußerst geschmackvoller und stylgerechter Weise ... in eine katholische, in romanischer Bauart gehaltene umwandeln“ und stiftete „einen ganz besonders schönen Altar sowie ein Ciborium, Kelch und eine Lampe für das ewige Licht, wodurch der hiesigen k. u. k. Mission die Möglichkeit geboten worden ist, in überaus würdiger Weise in ihren eigenen Räumen den katholischen Gottesdienst abzuhalten“35. Die Botschaftskapelle wurde schließlich am 1. Dezember 1900 geweiht. In der Folge wurde dort jeden Sonntag die Heilige Messe gelesen36. Im Frühjahr 1899 wurde Freiherr von Aehrenthal k. u. k. Botschafter in St. Petersburg und Hausherr im Palais Polowzow. Er fand dieses bei Amtsantritt fast vollständig unmöbliert vor und erreichte, daß das Ministerium des Äußeren HHStA Wien, AR, Fach 6/29, Palais St. Petersburg-4/2, ad ZI. 23.818/2 aus 1897, Protokoll vom 11. Juni 1897. 35 HHStA Wien, AR Fach 6/29, Palais St. Petersburg-4/21, ZI. 47734/23 aus 1899, Bericht (Aehrenthal) Nr. LXXI aus St. Petersburg vom 16. August 1899. 36 Ebenda, Palais St. Petersburg-4/51, ZI. 1543/2 aus 1901, Bericht (Aehrenthal) Nr. II-S aus St. Petersburg vom 5. Jänner 1901. 8