Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914

Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in St. Petersburg Im dritten Stock sollten außer dem Tanzsaale, welcher dieses Stockwerk durchbrach, keine Veränderungen vorgenommen. „Dieses Stockwerk umfasst 5 (größere und kleinere) Wohnungen ... Eine gänzlich oder teilweise neue de­corative Ausstattung bekommt das Parade-Stiegenhaus, auch Räume der Emp­fangslokalitäten und der neue Tanzsaal ,..“31. Der Kostenvoranschlag sah auch die „Installation für die elektrische Beleuchtung von 46.500 Rubel vor, und zwar 25.000 Rubel für die Einrichtung, Leitung, Luster, Bras etc. und 21.500 Rubel für Einrichtung einer eigenen Strom-Erzeugungs-Station“. 1896 war elektrische Beleuchtung nur in den Missionpalais in Belgrad und London eingeführt, die den Strom von einer Elektrizitätsanstalt bezogen. Das Ministerium des Äußern bemerkte dazu, daß „die Anlage einer eigenen Dyna­mo-Station die Bestellung eines eigenen Maschinisten bedingen ... dann sowohl die Kosten für die Aufstellung für die Dynamo-Anlage, sowie für die Anstellung eines Maschinisten etc. zweifellos dem hohen Ministerium zur Last fallen wür­den ..." Nachdem das Ministerium des Äußeren nicht mehr als 110.000 fl32 ausgeben wollte, beauftragte Botschafter Liechtenstein den Architekten Petersohn „einen Kostenvoranschlag zu liefern, in welchem bloß auf die notwendigen Adaptie­rungen Rücksicht genommen wird“. Dieser belief sich auf 58.653 Rubel 23 Ko­peken, von denen 20.750 auf die Einrichtung der elektrischen Beleuchtung ent­fielen, wobei „... mit einer der hier bestehenden Elektrizitäts-Gesellschaften ein Abkommen getroffen würde, welche das elektrische Licht der Botschaft liefern würde ... im Falle dieser Vorschläge die Genehmigung erhalten sollte, würde von der Summe von 110.000 fl nach Durchführung der beantragten Arbeiten, welche einen Kostenaufwand von rund 57.000 Rubel oder 74.000 fl erfordern, ein Betrag von 36.000 fl. für die Anschaffung von Möbeln und einiger Gegen­stände ... erübrigen“. Liechtenstein schlug vor, „das seinerzeit von Frau Polowzow um den Preis von ca. 36.000 Rubel angeschaffte und seither im Gebrauche dieser Botschaft ste­hende Ameublement“ anzukaufen, und Liechtenstein wußte hinzufügen, daß Frau Polowzow bereit sein würde, „diese Möbel für den Preis 15.000 Rubel zu überlassen“, sodaß „zur Ergänzung desselben“ noch immer „von den 110.000 fl. einige Tausend Gulden“ übrig bleiben würden33. Am 11. Juni 1897 wurde am Ballhausplatz die Durchführung der geplanten Restaurationsarbeiten am Petersburger Botschaftspalais erörtert. Diese sollte folgende Arbeiten umfassen: 31 HHStA Wien, AR, Fach 6/29, Palais St. Petersburg-4/1, ad ZI. 18029/2 aus 1897, Gutachten Po- komys zu Vorschlägen und Kostenberechnung des Architekten Petersohn, vom 23. April 1897. 32 1 Gulden von 1897 entsprach im Jahresdurchschnitt im September 1994 der Kaufkraft von ÖS 128,40,-; der Betrag entspricht somit ÖS 14.252.400,- (Österreichisches Statistisches Zentralamt). 33 HHStA Wien, AR, Fach 6/29, Palais St. Petersburg-4/2, ZI. 23.818/2 aus 1897, Bericht (Liechtenstein) Nr. LI-B aus St. Petersburg vom 12. Mai 1897. 7

Next

/
Thumbnails
Contents