Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914

glieder, selbst wenn einige verheiratet sind ... mir das Haus Polowzow um den Preis von 550.000 Rubel sehr preiswürdig erscheint ...22 Das Ministerium entsandte Pokorny neuerlich nach St. Petersburg, der im No­vember 1896 folgendes Gutachten unterbreitete: ... die Lage hat überdies den Vorzug, daß sie, dank dem hohen Niveau keiner Inondation unterliegt ... blieben die Souterrains hier sogar bei der größten Überschwemmung im Jahr 1824 gänzlich frei von Wasser. Das Haus ist ca. 40 Jahre alt ... die Anlage des Gebäudes sowie dessen ganze Bauart ist eine durchaus solide mit gesunden, massigen Mauern und starken Gewölben im Souterrain und Parterre ... größere Reparaturarbeiten wären in den jetzigen Räumen der k. u. k. Botschaft vorzu­nehmen, namentlich zur Schäftung eines großen Tanzsaales ...23 24 Pallavicini wurde ermächtigt, „in Anhoffnung, daß das dermalen von der Bot­schaft benützte Mobiliar im Kaufpreis per 550.000 Rubel einbezogen wird“, einen Vorvertrag zum Ankauf des Palais abzuschließen. Bei der Formulierung des Kaufvertrages war noch zu eruieren, wer als Käufer auftrat, da die königlich ungarische Regierung bei der Formel „k. u. k. österreichisch-ungarische Regie­rung“ stets protestierte. Im November 1896 trat Außenminister Goluchowski an Reichsfinanzminister Benjamin von Kállay wegen Flüssigmachung der erfor­derlichen Mittel heran21. Am 23. Dezember 1896 teilte dieser Goluchowski mit, daß der Betrag von 320.000 fl25 ÖW sofort dem Zahlamt des Ministeriums des Äußern ausgezahlt würde. Durch Kaufvertrag vom 25. Dezember 1896 wurde die „österreichisch­ungarische Monarchie“ Eigentümer des Palais Polowzow26. Am 30. Dezember 189627 zeigte Botschafter Liechtenstein an, daß „der Kauf des Polowzow’schen Palais ... abgeschlossen worden ist“. Den im Hause ver­bliebenen Mietern wurde - mit Ausnahme des Fürsten Obolensky - sofort ge­kündigt „und dürften dieselben ihre Wohnungen im Laufe der nächsten Monate Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in St. Petersburg 22 HHStA Wien, AR, Fach 6/28, Palais St. Petersburg-1/24, ZI. 44.176/2 aus 1896, Bericht (Pallavicini) Nr. LXXIV-G aus St. Petersburg vom 23. September 1896. 23 Ebenda, Palais St. Petersburg-1/27, ad ZI. 50.193/2 aus 1896, Gutachten Pokomys, St. Petersburg, im November 1896. 24 Ebenda, Palais St. Petersburg-1/34, ZI. 51.579/3 aus 1896, Außenminister Goluchowski an Reichsfinanzminister Kállay vom 18. November 1896. 25 1 Gulden von 1896 entsprach im Jahresdurchschnitt öS 129,46; der Betrag entspricht somit öS 41,427.200,- (Österreichisches Statistisches Zentralamt). 26 Der Kaufvertrag (erliegt in HHStA Wien, Politisches Archiv des Ministeriums des Äußern I, Karton 465, Liasse XXa/12) wurde mit Bericht (Liechtenstein) Nr. VI vom 27. Jänner 1897 nach Wien ge­sandt: HHStA Wien, AR, Fach 6/28, Palais St. Petersburg-1/46, ZI. 5306/2-3 aus 1897. Im „Auszug aus dem Grundbuch des St. Petersburger Notariats-Archivs ...“ (HHStA Wien, AR, Fach 6/28, Pa­lais St. Petersburg-1/48, Bericht (Liechtenstein) Nr. XII-B vom 21. Februar 1897, Beilage) heißt es wörtlich: „Dieses Haus, welches vom Grafen Peter Schuwalow an Frau Polowzow gekommen ist, befindet sich in St. Petersburg, Liteiny Stadtteil, an der Sergejewskaja Straße zwischen der Kaiserli­chen Rechtsschule und dem Hause des Herrn Jandre, trägt No. 29 nach den Tabellen von 1846, Nr. 677 nach denen von 1874 und die Polizeinummer 10 und umfasst, so wie es im erwähnten Kaufver­träge heißt, mit allen Gebäuden und Höfen an Grund und Boden: ... 1.016 Í4 Quadratfaden oder soviel als es sich in der Tat erweist.“ 27 HHStA Wien, AR, Fach 6/91, Palais St. Petersburg-7, ZI. 359/2 aus 1897, Bericht (Liechtenstein) Nr. CIX-G aus St. Petersburg vom 30. Dezember 1896. 5

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