Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)
AGSTNER, Rudolf: Das Palais Polowzow als k. u. k. Botschaft in Sankt Petersburg 1886–1914
Rudolf Agstner des Ankaufes eigener Hotels für unsere Missionen in St. Petersburg und Washington ... erteilt“16 17. Am 3. Dezember 1895 berichtete Liechtenstein über die Besichtigung weiterer Palais: Die meisten der in Vorschlag gebrachten Häuser hätten sehr kostspielige Umbauten verlangt, andere wieder waren an und für sich zu teuer. So z. B. das Haus der Gräfin Zubow ... nicht unter ca. 1 Million Rubel verkäuflich ist ... Gräfin Kleinmichel hat ihr in der Sergejewskaja - also in derselben Straße, in welcher sich gegenwärtig die k. u. k. Botschaft befindet - gelegenes Haus zum Kaufe angeboten n. Der nach Petersburg entsandte Architekt des Ministeriums des Äußern, Baurat Franz Pokorny18, untersuchte im Februar 1896 die verschiedenen Objekte und empfahl „den Ankauf des Palais Bariatinsky in der Sergejevskaja ... (4.648 Quadratmeter)“19. Nachdem der Kaufpreis auf 500.000 Rubel heruntergehandelt worden war, und Goluchowski seine Zustimmung erteilt hatte, stand dem Ankauf nichts mehr im Wege20. Trotz der Eile kam die k. u. k. Regierung zu spät. Fürst Bariatinsky hatte sein Palais zwischenzeitlich verkauft21. Am 23. September 1896 berichtete Geschäftsträger Johann Markgraf Pallavi- cini, daß Herr Polowzow, Besitzer des Hauses Nr. 10 Sergejewskaja, in welchem gegenwärtig die k. u. k. Botschaft untergebracht ist, dieses Haus der Botschaft um den Preis von 550.000 Rubel zum Kauf angeboten hat ... ist das Haus des Herrn Polowzow das größte unter allen Häusern, die bisher zum Ankauf eines Botschaftspalais in Petersburg in Betracht gezogen wurden. Außer sehr großen Empfangsräumen und einer sehr geräumigen Wohnung für den Botschafter wäre in diesem Hause mehr als genügend Raum zur Unterbringung des k. u. k. Generalkonsulats und sämtlicher Mitglieder der Botschaft. Gegenwärtig bewohnt die Botschaft den zweiten Stock des Hauses. Dieser könnte im Falle des Ankaufes ganz zu Empfangsräumen benutzt werden, allerdings fehlt gegenwärtig ... ein großer Tanzsaal, ein solcher wäre aber ... durch Wegnahme einiger Zwischenwände herzustellen ... der erste Stock, welchen jetzt die Fürstin Obolensky ... bewohnt, könnte als Wohnung des Botschafters benützt werden. Dieselbe ist so geräumig, daß auch für einen verheirateten Botschafter mehr als genügend Platz wäre. Außer diesen zwei großen Appartements gibt es im Hause noch elf Wohnungen, daher genügend Raum für Kanzleien, Generalkonsulat und Wohnungen sämtlicher Botschaftsmit16 HHStA Wien, AR, Fach 6/28, Palais St. Petersburg-1, ZI. 46.284/3 aus 1895, Badeni an Gofuchowski vom 18. November 1895. 17 Ebenda, Palais St. Petersburg-1, ZI. 50.000/2 aus 1895, Bericht (Liechtenstein) Nr. XCVIII-A-B vom 3. Dezember/21. November 1895. 18 * Böhmisch Brod (Cesky Brod) 20. Mai 1849, J Wien 26. November 1920; Ausbildung in Prag, wo er bis 1885 als Architekt tätig war; ab 1. Jänner 1886 Inspektor und Architekt der k. u. k. Botschaft in Rom, 1887 k. k. Baurat, seit 12. Dezember 1894 Oberbaurat im Ministerium des Äußern, 29. April 1912 Pensionierung. 19 HHStA Wien, AR, Fach 6/28, Palais St. Petersburg-1, ad ZI. 50.000/2 aus 1895, Gutachten Po- komysvom 18. Februar 1896,. 20 Ebenda, Palais St. Petersburg-1/19, ZI. 20.746/3 aus 1896, Reichsfinanzministerium, ZI. 167/Pr, an Außenminister Goluchowski vom 5. Mai 1896. 21 Ebenda, Palais St. Petersburg-1/22, ZI. 22.770/2 aus 1896, Bericht (Liechtenstein) Nr. 34-B aus Moskau vom 10. Mai/28. April 1896. 4