Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)
KOWALSKÁ, Eva: Dokumente aus dem Nachlaß von Johann Ignaz von Felbiger
folgen zu lassen: zur Unterstützung meiner Ehrfurchtsvoller Bitte mögen nachstehende Gründe dienen. 1. Wird Euer Maytt. noch in allergnädigsten Andencken ruhen, daß ich zu Ende des 1774,eri Jahres von der höchstseel. Kayserin Maytt. aus Sagan naher Wienn berufen wurde, um an den niedrigsten Schuhen eine bessere Lehrart einzuflihren, durch welche gemeiner Leute Kinder, und besonders das Land-Volk bestmögligst aufgeklärt, und in dem jedem Menschen nöthigen Käntnissen, und Grundsätzen unterwiesen, dadurch aber in dem Stand gesetzet werden könten, die Pflichten rechtschaffner Unterthanen auszuüben. Die deshalb ergangene Akten werden zeigen, daß ich ohne Ruhm zu melden. 2. Die vielfältigen mir in Weg gelegten Hindernisse ohngeacht dieses heilsame Werk in den deutschen Erblanden so weit beförderet habe, als bis auf den heutigen Tag noch in keinem anderen Staate geschehen ist. Dieses Unternehmen war zu der Zeit, als ich die Schulverbesserung anfing, keine so leichte Sache, als man anjetzo glaubt, weill damahls die berühmten Schulschriften, und andere gemeinnützige Vorschläge eines Abtes Resewitz, eines Villaume, eines Salzmannes u.s.w. aus welchen die jezigen Schulmänner ihre Käntnisse bereichern können, noch nicht in das Tages Licht getretten waren: und obgleich auf Veranlassung, und durch Mitwürkung der Protestanten in Ungam welche Bedencken trugen ihre Kinder der Allerhöchsten Verordnung zu folge in die Katholischen Schuhen zu schiken, eine theils hämische, theils gröstentheils gäntzlich ungegründete Kritik über das Oesterreich. Normalschulwesen, vor einigen Jahren in der Berliner Allgemeinen deutschen Bi- bliotheck zum Vorschein kom, in welcher vorzüglich der von allen Oesterreicherischen, und Hun- garischen Herrn Bischöfen approbirte Normalschul Kathechismus, jesuitischer Lehrsätze irriger weise beschuldiget wurde; so hat doch bis auf diese Stunde sich noch Niemand gefunden, der etwas besseres geliefert hätte; es ist viellmehr die Oesterreich, verbeßerte Schullehrart in Neapel, Salzburg, Freysingen, Kölln, Fulda, und anderen Katholischen Provintzen Deutschlands allbereits eingefuhret worden, ja mann stehet so gar in Spanien, und Portugall im Begrif sie nächstens einzuflihren zu wollen. Eben so bekant ist es auch 3. Daß, als beym Ausbruch der Bayerischen Erbfolgsstreitigkeiten ich von verstorbenen Könige in Preüßen, meinem damahligen Herrn, entweder balt zurükzukommen, oder meine Saganer Abtey zu resigniren beordert wurde, ich mich aufZureden entschloß so gar mein Vatterland, nebst darin bekleideten ansehnlichen Würde, mein gutes reichliches Auskommen, und das Ansehen, daß ich mir in Schlesien erworben, zu verlassen, damit daß so weit gebrachte, aber noch nicht gäntzlich vollendete Werck durch Kaballen nicht über den Haufen geworfen werden möchte, hindurch wurden 4. Der Höchstseel. Kayserin Maytt. ohne den geringsten Antrag von meiner Seite bewogen, mir bis zu einer anderweiten Versorgung einen jährlichen Gehalt von 6000. f. anzuweisen, den ich nicht nur von Monath 10bcr 1777 bis an ihren Todt, sondern auch über ein gantzes Jahr nach den Regierungs Antiit Eüerer Majest. genossen habe. Auch gab Sie mir zu einiger Vergüttung wegen meiner der Oesterreich. Schulen halber niedergelegten Saganer Abtey die von König. Collatur abhangende Probstey zu Preßburg, auf deren Reparatur, durch die unwürthschaftliche Bauart eines Grossen, der solche Selbst zu beziehen willens war, eine Summe von beynahe 25000. f. übel war verwendet worden, welches die Folge hatte, das mir auferlegt wurde. 5. Diese aus dem König. Hung. Aerario vorgeschossene Sume, die bey meinen Antrit noch 18000. f. betrug, nach und nach jährlich mit 600.f. zu depuriren. Ich habe deshalb bis hieher schon 4200. f. darauf abgetragen, und bin dadurch an den einkünften meines Beneficii verkürtzet worden. Dazu kom noch 6. Daß diese Probstey kein Inventarium, oder haüßliche Einrichtung hatte, ich mußte deshalb allen Hausrath selbst anschafen, mit grossen Kosten die Residenz einrichten, und verschiedenes darinen verändern, und verbessern, weil mich nun die Einrichtung etliche tausend Gulden kostete; so wurde ich dadurch genöthiget, den größten Theil meines in Wienn ersparten Geldes darauf zu verwenden, und noch auser dem 600. f. dazu zu erborgen. Allein dessen ungeachtet war ich diescrhalb der verwittibten Kayserin mit einer Bitte niemals beschwehrlich, ob ich gleich einen Fundum instructum hätte verlangen, und auch holen können, solche wie es bey allen König. Collaturen her- kömlich ist, zu verlangen. Ausser diesem brachte ich noch Vieles, was ich theils in Sagan besessen, theils von meinem Wienner Salario angeschafet, z. b. Brillianten, Ringq; goldene, und Kreutze, Silber, Tischzeug, Wäsche, eine schöne Samlung Landkarten, u.s.w. mit hieher in die Preßburger (Abtey) Probstey, und dieses Eingebrachte ist eigentlich der Gegenstand, worüber ich disDokumente aus dem Nachlaß von Johann Ignaz von Felbiger 159