Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 43. (1993) - Festschrift für Rudolf Neck zum 65. Geburtstag

ENDERLE-BURCEL, Gertrude: Militarisierung der Gesellschaft – Aspekte österreichischer Wehrpolitik 1918–1938

ner Österreichs. Die Römischen Protokolle vom 17. März 193483), die Mo­bilisierung der italienischen Truppen im Juli 1934 und ein Rüstungsab­kommen im November 1934 belegen die Schutzmachtstellung Italiens gegenüber Österreich im Jahr 1934. Ausgehend von einem Geheimabkommen zwischen Österreich, Italien und Ungarn vom 11. November 1934 und einem Rüstungsabkommen zwischen Österreich und Italien vom 17. November 1934, beide nur durch zwei Dokumente aus dem Bestand des deutschen militärischen Geheimdienstes belegt, finden sich in der Literatur Angaben über einen italienischen Rüstungskredit vom 11. Februar 1935 an Österreich in der Höhe von 800 Millionen Goldfrancs (= 282,8 Millionen Schilling).84) Der Rüstungskredit wird so ausgelegt, daß nachdem sich Pierre Laval und Mussolini am 7. Jänner 1935 über Abessinien einigen konnte, eine französische Rüstungshilfe an Italien für eine Garantie der öster­reichischen Unabhängigkeit gegenüber Deutschland gegeben wurde.85) Nach Berechnungen von Erwin Steinböck hatte Italien etwa drei Fünftel der österreichischen Aufrüstung in Form von Sachlieferungen und Rü­stungskrediten übernommen.86) Im April 1935 war es zum letztenmal zu einer gemeinsamen Deklaration der österreichischen Unabhängigkeit von Italien, England und Frankreich gekommen. Mit zunehmendem italienischen Engagement in Abessinien zeichnete sich aber bereits 1935 die Achse Rom-Berlin ab.87) Dem Gespräch über eine italienische Rü­stungsanleihe an Österreich im Herbst 1935 wich Mussolini bereits aus.88) Im März 1934 zugesagte Waffen- und Flugzeuglieferungen stockten im Laufe der Jahre immer mehr.89) 1935 waren die österreichischen Aufrüstungsmaßnahmen nicht mehr zu übersehen. Der neuen Bewaffnung und der Umstrukturierung des Bun­Militarisierung der Gesellschaft - Aspekte österreichischer Wehrpolitik 1918-1938 83) Peter Enderle, Die ökonomischen und politischen Grundlagen der Römischen Protokolle aus dem Jahre 1934, phil. Diss., Wien 1979. 84) Hügle, Wehrpolitische Informationen, S 49; Broucek, Die militärische Situation, in: Anschluß 1938, S 141. 85) Hügle, Wehrpolitische Informationen, S 52ff. Der Autor übt allerdings selbst starke Quellenkritik an den zwei vorhandenen Dokumenten. 86) Steinböck, Österreichs militärisches Potential, S 36 f; Broucek, Die militärische Situation, in: Anschluß 1938, S 141. 87) Jens Petersen, Hitler-Mussolini, Die Entstehung der Achse Berlin-Rom 1953- 1936, Tübingen 1973. 88) Jedlicka, Ein Heer im Schatten der Parteien, S 133. 89) AdR, Neues Politisches Archiv, Karton 413, Italien I/III geh, ZI. 51.709/13/1934, Italienische Unterstützung durch militärisches Material, 2. März 1934; Karton 414, Z1.34.586/13/1935, Aufzeichnung über die Unterredung Bundeskanzler Dr. Schusch­nigg-Mussolini in Florenz am 11. Mai 1935; ZI. 58.411/13/pol/1936, Aufzeichnung über die vom 9.-12. November 1936 mit Grafen Ciano und Herrn von Kanya geführten Ge­spräche und Verhandlungen. 189

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