Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 43. (1993) - Festschrift für Rudolf Neck zum 65. Geburtstag
KUDERNA, Wolfgang: Die Verleihung des Ritterkreuzes des Militär-Maria Theresien-Ordens an Oberstleutnant Josef Wächter 1918
Wolfgang Kuderna Die Stellungen der 38. Infanteriebrigade wurden bereits im ersten Ansatz überrannt. Als sich die Lage auch bei der 132. Infanteriebrigade zuspitzte, wurde der Gegenstoß der Divisionsreserve der 54. Infanteriedivision, bestehend aus der etwa bataillonsstarken Ukrainischen Legion, dem Sturmbataillon 54 und dem II. Bataillon des Infanterieregimentes 81, ausgelöst. Infolge offensichtlicher mangelnder Aufklärung und fehlender Flankensicherung links wurde diese Kampfgruppe jedoch von russischen Kolonnen, die aus dem Gefechtsstreifen der 38. Infanteriebrigade einschwenkten überrascht und nahezu aufgerieben. Resten gelang es, sich zu lösen und bis zum Eintreffen der Korpsreserve nach Südwesten abzuriegeln. Durch Melder über die Lage informiert, entschloß sich der seit den Morgenstunden am Brigadegefechtsstand anwesende Kommandant des XXV. Korps, Feldmarschalleutnant Hofmann, Oberstleutnant Wächter um 9 Uhr den Befehl zum Einsatz der Korpsreserve zu geben: Unverzügliche Besetzung einer Riegelstellung entlang der linken Flanke der Brigade um einerseits einen Durchbruch russischer Kräfte zu verhindern und andererseits dadurch die Voraussetzungen für einen späteren Angriff auf Koniuchy zur Wiederinbesitznahme der ersten Linie zu schaffen.9) Oberstleutnant Wächter befahl umgehend seinen bereits anwesenden Bataillonskommandanten den geplanten Ablauf der Abriegelung. Besetzt werden sollte der sogennate „Byszki-Riegel“, eine Verbindungsstellung zwischen I. und II. Linie zur Abriegelung von Feindeinbrüchen aus dem linken Nachbargefechtsstreifen. Infolge fehlender Aufklärung über den genauen Standort, Stärke und Absicht des Feindes entschloß sich Wächter, selbst mit den schon verfügbaren Sturmpatrouillen - insgesamt etwa 40 Mann - und einem verkleinerten Gefechtsstab seinem Regiment, das gerade in Gefechtsformation überging, die notwendigen Erkenntnisse zu beschaffen. Schon bald bemerkte er eine etwa 300 Mann starke Sturmkolonne im Vormarsch auf das Regiment. Weitere Formationen folgten. Um nicht das gerade in Entwicklung begriffene Regiment zu gefährden blieb nichts anderes als der sofortige Angriff mit den zur Verfügung stehenden Sturmpatrouillen. In seinem Ordenseinschreiten schildert Wächter die entscheidenden Monate folgendermaßen:10) „Auf dem kürzesten Wege zu der durch das bereits gemeldete Vordringen des Gegners in den Westteil von Koniuchy voraussichtlichen 9) Ebenda, Seite 93. 10) RA, MMTO, Fasz. IV W161, fol. 27. 152