Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 43. (1993) - Festschrift für Rudolf Neck zum 65. Geburtstag
KUDERNA, Wolfgang: Die Verleihung des Ritterkreuzes des Militär-Maria Theresien-Ordens an Oberstleutnant Josef Wächter 1918
feindlichen Einbruchsstelle Waldbrand Kote 344 bemerke ich, etwa 100 Schritte vom Waldrande entfernt, eine starke russische Abteilung, soweit zunächst geschätzt werden konnte, etwa 300 Mann, nach bereits durchgeführter Zerstörung unserer Hindernisse von der knapp hinter dem Waldrande hegenden Linie II/l bereits über diese Linie in den Wald vordringend. Ein weiteres Vordringen dieses Feindes, welchen nach späterer Sicht ganze Kolonnen folgten, konnte für das noch in der Entwicklung begriffene Regiment zur Katastrophe weden oder wenigstens demselben im Waldkampfe grosse Verluste verursachen. Helfen konnte nur das sofortige Hinauswerfen des Gegners aus dem Walde. Diese blitzartig gewonnene Überzeugung veranlaßte mich, den zehnfach stärkeren Gegner mit den Sturmpatrouillen anzugehen. Daher Sturm! und Hurrah! Der Gegner wurde durch diesen plötzlichen Anfall überrascht, liess sich täuschen, nur Wenige leisteten Widerstand, 12 Russen wurden im Handgemenge niedergemacht, alles flutete in wilder Flucht zurück und riss die nachrückenden Massen mit sich.“ Somit gelang Wächters Aktion. Völlig überrascht ließen sich die Russen über die tatsächliche Stärke des über sie hereinbrechenden Feindes täuschen und flüchteten Hals über Kopf zurück nach Koniuchy. Hiebei wurden auch die nachrückenden Kolonnen mitgerissen, sodaß dadurch nicht nur deren Angriffsschwung gebrochen werden konnte, sondern die durch die Flucht entstehende Unordnung eine rasche Neugruppierung und damit Fortsetzung des Angriffes in absehbarer Zeit unmöglich machte. Durch diese Aktion schuf Oberstleutnant Wächter seinem Regiment die Voraussetzung zum gefahrenlosen, geordneten beziehen des Ryszki- Riegels. Auch die Angriffe der folgenden Tage konnten zurückgeschlagen werden. Die Gefahr, über die linke Flanke her aufgerollt zu werden war somit für die Südarmee vorbei. Anders als bei der 2. Armee konnte hier ohne Einbindung von bereits für die Gegenoffensive vorgesehenen Verbänden die Lage - wenn auch mit Glück - aus eigenen Kräften gemeistert werden. Voraussetzung hierfür war neben dem schneidigen Vorgehen Wächters der vom Kommandanten des XXV, Korps richtig gewählte Zeitpunkt und der Entschluß, die Reserve - wie beim nördlichen Nachbaren praktiziert - nicht zu teilen, sondern geschlossen einzusetzen. Anders gestaltete sich der Verlauf der Schlacht bei der nördlich eingesetzten 38. Infanteriebrigade, die bis zum Abend völlig aufgerieben wurde. Hier konnte sich der Abschnittskommandant nicht entschließen, die hart ringenden kräfte durch einen Gegenangriff zu entlasten. Auch als am nächsten Tag die nördlich anschließende 37. Infanteriebrigade Verleihung des Ritterkreuzes des Militär-Maria Theresien-Ordens an Obstlt J. Wächter 153