Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)

BURKERT, Günther R.: Die Reise österreichischer Gesandter an den Hof Karls V. im Jahre 1519. Die bisherige Forschung und der Bericht Trojan von Auerspergs

Günther R. Bürkeit berstein mit seinen Autobiographien überhaupt erreichen wollte. Das Erscheinungsdatum - einmal vor, einmal nach dem Augsburger Reli­gionsfrieden - läßt etwa die Behandlung einzelner protestantischer Ge­sandter, wie Starhemberg und Hofmann von Grünbühel13), in einem völlig anderen Licht erscheinen. Darüber hinaus schwelte ein Konflikt zwischen Herren- und Ritterstand auf der einen und den adeligen Mit­gliedern der Gesandtschaft und dem Vertreter der Städte, Dr. Martin Siebenbürger, auf der anderen Seite. So betrachtete Herberstein Sie­benbürger, den wohl entschiedensten Vertreter ständischer Interessen, als „bürgerlichen Emporkömmling und Streber“. Auch auf die Frage, für welchen Leserkreis die Selbstbiographie ge­schrieben und was deshalb nicht aufgenommen oder besonders um­fangreich erzählt wurde, ging die Forschung bisher nicht ein. Nicht zufällig umfaßt beispielsweise die genaue Schilderung der Reise auf dem Schiff einen so großen Teil, waren doch diese Erlebnisse für die Binnenländer wahrscheinlich die prägendsten, andererseits aber auch für die binnenländischen Leser die aufregendsten. Konflikte der Länder interessierten sie wohl kaum. Die Schilderung dieser Schiffspassage ist sogar bei Auersperg überproportional weitschweifig ausgefallen, ob­wohl er selbst gar nicht daran teilgenommen hatte. Die Gesandtschaft dürfte diesen Weg gewählt haben, weil Schiffsreisen zu jener Zeit grundsätzlich schnell und komfortabel waren. Die Verzögerungen bei der Reise nach Neapel rächten sich durch jahreszeitlich bedingte, schwere Stürme. Wahrscheinlich war dieses Problem den feiernden Ge­sandten bis zur Ankunft in Neapel gar nicht bewußt. Doch dies sind schon Detailfragen, die im einzelnen zu klären sind. Eine Neuerforschung des Berichtes Siegmund von Herbersteins er­hielte allein aus diesen Fragestellungen schon ihre Berechtigung14). Auch Herbersteins parteiische - herrscherfreundliche - Stellungnah­men in anderen Publikationen sind an der bisherigen Forschung 13) Vgl. Klaus Eckart Ehrlicher, Ein steirisches Adelsgeschlecht in Böhmen und Mäh­ren. Hoffmann Freiherren zu Gruenpüchel und Strechau, in: Bohemia. Zeitschrift für Ge­schichte und Kultur der böhmischen Länder 21 (1980) 61 und Wilhelm Huber, Hanns Friedrich Hoffmann, Freiherr von Grünbüchel und Strechau, der bedeutendste Vertreter des Protestantismus in Innerösterreich im 16. Jahrhundert, in: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus im ehemaligen und im neuen Österreich 48(1927) 59. 14) Günther R. Burkert, Herberstein in der Politik der innerösterreichischen Stände, in: Siegmund von Herberstein, kaiserlicher Diplomat und Begründer der Rußlandkunde und die europäische Diplomatie (Graz 1988); unter Leitung von Univ. Prof. Dr. Walter Leitsch wird ein Teil der Tagebücher (vor allem die Moscovia) neu ediert. 56

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