Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
NAUTZ, Jürgen: Österreichische Überlegungen zur wirtschaftlichen Integration Europas und zum europäischen Machtgleichgewicht. Die wirtschaftspolitischen Arbeiten Richard Schüllers im amerikanischen Exil 1943–1950
Bündnisse bewußt: „The small nations are now conscious of these dangers; they know that ‘neutrality’ does not procure security and that they need the guarantee of great powers against aggression. If the United States and England withdraw from the European continent Germany and Russia are the biggest powers whose policy decides the fate of their small neighbors.“18) Dies würde die Bildung eines deutschen und eines slawischen Blocks und einer Prädominaz der beiden Staaten auf dem Kontinent zur Folge haben, was Europa in dauernder Instabilität belassen würde19). „These developements can be stopped and a quite different policy can be initiated, if the United States and Great Britain participate in a system of collective security and make aggression dangerous for the aggressor.“20) Ein solch umfassendes Verteidigungssystem sei ebenfalls Gewähr dafür, daß viele Nationalitätenkonflikte vermieden werden könnten. Es sei klar, daß aufgrund der Rolle, die die Sowietunion im Krieg spiele, ein vehementer Trend nach links einsetzen werde. Aber die Periode des „Nachkriegsradikalismus“ werde nur von kurzer Dauer sein. Sie werde sehr bald von konservativen Bewegungen verdrängt werden. Dies sei nach jedem großen Krieg so. „The people are weary of all revolutions; they want rest and security. Democratic checks and balances will be reestablished----people will care more for peace and common defense, a nd less for full sovereignty than the governments in exile.“21) Aber nicht nur die Schaffung eines transatlantischen Militärbündnisses, mit dessen Planung man nach der Londoner Konferenz 1947 begann, sei zur Stabilisierung Europas nach dem Kriege notwendig, auch die Wirtschaftstruktur Europas und vor allem Deutschlands müsse verändert werden: „The restoration of pre-war positions of the German mammoth concerns would suffice as basis for economic hegemony and for use and abuse of power in all hemispheres. Moreover these German trusts threaten peace by their aggressive spirit and by their aspirations, ft is an important though a hard task to make an end to that game and to neutralize these trusts.“22) Er schlug vor, einen Plan auszuarbeiten, der sich an folgenden Richtlinien orientieren sollte: Die schlesischen Kohlengruben sollten an Polen und die Tschechoslowakei gehen. Besitzverhältnisse und Verwaltung sollten internationalisiert werden. Eine Internationalisierung der Kohle- und Stahlindustrie an der Ruhr sei ebenso notwendig. Auch die chemische Industrie mit ihren unzähligen internaÖsterreichische Überlegungen zur wirtschaftlichen Integration Europas ls) S. 358. 19) Vgl. S. 358. 20) S. 358. 21) S. 360. 22) S. 361. 347