Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 42. (1992)
AGSTNER, Rudolf: Von der österreichisch-ungarischen Botschaft zum österreichischen Generalkonsulat Berlin. Zur Geschichte der k. u. k. bzw. österreichischen Vertretungsbehörden in der deutschen Hauptstadt 1871–1991
Soweit aber Agenden des Militärattachüs in Berlin wahrzunehmen waren, oblag dies nun dem k.u.k. Marineattaché, der dieselben, unabhängig von seiner eigenen Registratur, weiterführte“133). Der Austausch von Marineattachés zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn ging auf einen Wunsch Berlins zurück. „Nachdem Anfang 1901 auf kaiserlichen Befehl der Chef des Admiralstabes Vizeadmiral von Diederichs für den Fall eines Krieges des Dreibunds eine Verständigung zwischen der deutschen, österreichischen und italienischen Marine angebahnt hatte, erschien die Schaffung der Stelle eines Marineattachés in Wien als wünschenswert... verfiel man auf den Ausweg, den deutschen Marineattaché in Rom, Fregattenkapitän Wentzel, unter Beibehaltung seines dortigen Wohnsitzes gleichzeitig der Wiener Botschaft zuzuteilen. Die endgültige Regelung erfolgte aus anderem Anlaß. Der Wiener Militárattaché Flügeladjutant Graf Ka- geneck hatte unter dem 11. Juni 1909 berichtet, daß die französische Regierung einen Marineattaché für Wien zu akkreditieren beabsichtige, wahrscheinlich als Folgeerscheinung der geplanten österreichischen ,Dreadnoughts4. Zu dieser Mitteilung bemerkte Kaiser Wilhelm am Rande: ,Dann ist es höchste Zeit, daß wir einen hinschicken.4 Obwohl sich herausstellte, daß in Paris nur die Absicht bestand, den französischen Marineattaché in Berlin zugleich zum Marineattaché in Wien zu ernennen ... wünschte der Kaiser doch die neue Stelle auf den Etat von 1910/11 gebracht zu sehen“134). Mit Zustimmung der Militärkanzlei Sr. Majestät vom 29. Juni 1909 hatte das Deutsche Reich den in Rom residenten Marineattaché Korvettenkapitän Fuchs in Wien mitakkreditiert. Diese Lösung stieß nicht auf Zustimmung von Thronfolger Franz Ferdinand, der auf die Entsendung eines deutschen Marineattachés nach Wien besonderen Wert legte, da er nicht wünschte, daß der Marineattaché in Rom auch gleichzeitig in Wien akkreditiert sei. Die Entsendung eines residenten Marineattachés nach Wien war aber aus Berliner Sicht nicht vordringlich. So berichtet Miltärattachd Bienerth am 16. November 1910 über eine Unterredung mit dem Staatssekretär des Reichsmarineamtes, Admiral von Tirpitz, über die Frage der Entsendung eines Marineattachés nach Wien: „Nun sei es der deutschen Marine nicht leicht, bei dem jetzigen Stande an Offizieren, einen tüchtigen Offizier zu entbehren, so daß es derselben eigentlich lieber wäre, wenn die Entsendung unterbleiben würde ... Von der österreichisch-ungarischen Botschaft zum Österreichischen Generalkonsulat Berlin 155) Darstellung nach: Johann Christoph Allmayer-Beck, Die Archive der k.u.k. Militärbevollmächtigten und Militär-Adjoinls im Kriegsarchiv IVien - Ein Beitrag zur militärgeschichtlichen Quellenkunde in: Österreich und Europa, Festschrift für Hugo Hantsch zum 70. Geburtstag (Graz, Styria 1965), S.555, 556-557. 154) H.O. Meissner, ebenda, S. 14-14 303